Cretima Celtica
 
 
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Schriften der Etrusker, Iberer, Griechen und Römer (F)

 

Die antiken Kelten (bzw. Festlandkelten) hatten keine eigene Schrift (Ogam kann man frühestens im 3. Jhdt. n. Chr. ansetzen und ist auf die britischen Inseln beschränkt). Nichtsdestotrotz schrieben die Kelten, nicht im Übermaß, aber für den alltäglichen Gebrauch, für Grab- und Weiheinschriften, Fluch- und Zaubertäfelchen, Namensnennungen, Obszönitäten (v.a. auf Spinnwirteln), Volkszählungen (DBG I, 29 (1): die Helvetier notierten alle Personen namentlich auf Tafeln in griechischer Schrift, die sich der Völkerwanderung anschließen sollten), Gesetzesentscheide (z.B. auf der Botorrita-Inschrift) und vielleicht einiges mehr. Die meisten Inschriften kennt man von archäologischen Funden. Die Inschriften finden sich vornehmlich in Stein geritzt, aber auch auf Waffen, Spinnwirteln, Geschirr, Bleitäfelchen und ähnlichem nichtvergänglichen Material. Wahrscheinlich wurde auch auf vergänglichem Material geschrieben (vielleicht auf importiertem Papyrus, Rinden, Holz, Wachstäfelchen oder sogar Pergament), aber dies ist leider nicht erhalten. Die Schriftrichtung kann bei allen vorgestellten Alphabeten variieren. So gibt es die vertraute Richtung von links nach rechts (rechtsläufig). Aber auch von rechts nach  links (linksläufig) ist üblich. Oft ändern dann auch die Buchstaben selbst ihre Richtung (stehen also spiegelverkehrt da, sodass man die Schreibrichtung gut erkennen kann). Dann gibt es noch die Version "wie der Ochse pflügt", das heißt, dass sich rechtsläufige und linksläufige Zeilen abwechseln, also wie eine "Pflugbahn".

 

Im folgenden stelle ich die vier antiken Schriften vor, in denen die Kelten nachweislich geschrieben haben. Interessant für die Heidin / den Heiden mag dabei die Verwendung der Schrift zu magischen oder religiösen Zwecken sein. So kann man sie - ähnlich dem Ogam - als Orakelsymbole verwenden oder aber damit Namen von Gottheiten, Gebete, Heilsformeln oder Zaubersprüche aufschreiben.

 

 






Die etruskische Schrift

 

Die Etrusker waren ein Volk, das von etwa 800 v. Chr. bis spätestens 100 n. Chr. (letzte Sprachzeugnisse) einen Großteil Italiens, v.a. den Norden und Westen, besiedelte. Sie hatten eine eigene Schrift, die wahrscheinlich von westgriechischen Alphabeten abgeschaut war. Die Etrusker passten diese Schrift aber ihren Bedürfnissen an. So gibt es kein o, g, d und b. Dafür aber ein u, š, h, q, c und v. Die etwa 70 keltischen Inschriften, die um Lugano (Schweiz - Lugano-Alphabet, Lepontisch) oder knapp südlich in der Cisalpina (Gallisch) gefunden wurden, haben wiederum ihrerseits das etruskische Alphabet angepasst und das o wieder dazugenommen. Die keltischen Inschriften in Etruskisch reichen zeitlich von ca. 700 - 400 v. Chr. Es handelt sich dabei um die ältesten keltischen Inschriften, die bis in die Hallstattzeit zurückreichen. Auch außerhalb des schweizerisch-oberitalischen Gebietes gibt es vereinzelt keltische Inschriften in Etruskisch, so die Vase von Ptuj (Slowenien), die einen norischen Namen eingeritzt hat. Neben den Kelten bedienten sich auch die Räter und Veneter der etruskischen Schrift. Schriftliche Hinterlassenschaften beider Volksgruppen findet man auch in Österreich. So eine rätische Inschrift am Schneidjoch in Tirol und venetische Votivplättchen in Kärnten (Gurina, Würmlach).

 

Im Folgenden nun eine Tabelle mit der etruskischen Schrift (früh, mittel, spät), Sonderformen (in rot die Buchstaben der norischen (keltischen) Inschrift von Ptuj) und den Versionen für das Lepontische (keltisch, Lugano-Alphabet), das Cisalpin-Gallische (keltisch), das Rätische und das Venetische:


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Anmerkungen:

Da in der etruskischen Schrift einige Lautwerte fehlen, werden diese für gewöhnlich mit folgenden Buchstaben dargestellt:

o wird mit u, b mit ph, d mit z, g mit kh dargestellt. Da es zumindest in der archaischen Form auch ein q gibt, gibt es somit drei K-Laute. c wird verwendet, wenn ein e oder i folgt, k, wenn ein a folgt und q, wenn ein u folgt. Der š - Laut wird wie das deutsche sch gesprochen. Diese Regeln dürften auch von Venetern, Kelten und Rätern übernommen worden sein.






Quellen:

 

FAULMANN Carl, "Das Buch der Schrift - enthaltend die Schriftzeichen und Alphabete aller Zeiten und aller Völker des Erdkreises",
Eichborn Verlag, Nachdruck 1999 (Erstauflage: Wien 1880), ISBN: 3-8218-1720-8.

 

LAMBERT Pierre-Yves, "La Langue Gauloise",
editions errance, Paris 1997, ISBN: 2 87772 089 6

 

URBAN Otto, "Wegweiser in die Urgeschichte Österreichs - Archäologie sehen, erkennen, verstehen",
ÖBV, Wien 1989, ISBN: 3-215-07225-4

 

Indogermanistik Wien:
Keltische Inschriften

 

Ancient Scripts.com:
Etruskisch

 

Tabelle der etruskischen Alphabete (incl. des Rätischen, Venetischen und Lepontischen):
http://www.erratiker.ch/spezial/alphabete.htm

 

Etruskische Schriften:
http://indoeuro.bizland.com/project/script/etrus2.gif