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Orakeln mit Ogam (I,K)

 

Im Folgenden gebe ich einige Möglichkeiten wieder, wie man mit Ogamstäben orakeln kann. Alle hier vorgestellten Methoden sind entweder von anderen Divinationsmethoden inspiriert, selber erfunden oder durch die irische Kosmologie inspiriert oder eine Mischung von allem. Es gibt leider keinerlei überlieferte Ogam-Lege-Methoden. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt, auch selber neue Methoden zu erfinden.

 

Wie aus einigen wenigen irischen Schriften und anderen Quellen zu entnehmen ist, wurde das Ogam auch divinatorisch genutzt, wobei es wahrscheinlich in Stäbe oder Hölzchen geritzt war. Welche Ogams und Symbole genau da in die Hölzchen geritzt wurden, ist nicht bekannt. Die einfachste Version, wie sie auch heute im neuheidnischen Bereich üblich ist, ist, für jeden Buchstaben einen Stab zu verwenden, also im Ogam 20 oder 25 Stäbe (je nachdem, ob man die Forfeda mit verwenden will oder nicht). Natürlich kann man auch ganz eigene Stäbe mit Spezial-Ogams versehen (siehe Ogamtraktat). Das sei der Kreativität der Leser/in überlassen. (Eine gewisse Vorpraxis in anderen Orakelmethoden, wie z.B. Tarot, Wahrsagekarten, Runen, etc. ist durchaus von Vorteil beim Experimentieren.)

 

Da nichts über die Divination mit Ogam überliefert ist, stellt sich natürlich die Frage, was die einzelnen Buchstaben bedeuten. Gesicherte Orakelsprüche gibt es nicht. Aber die Wort-Ogams (siehe Ogam-Traktat) sind eine wunderbare Möglichkeit, daraus Orakelsprüche abzuleiten. Warum die Wort-Ogams erfunden wurden, ist unbekannt. Die Filid (altirische Poeten, Seher und Gelehrte) könnten einfach Merksätze für die einzelnen Buchstaben zum Lernen erfunden haben (ähnlich wie in der Schule beim Lernen des Alphabets: A wie Apfel, B wie Birne, C wie Clown, usw.). Es könnten aber auch tiefersinnige Bedeutungen in die Ogam-Sprüche eingeflossen sein. Auch ist unbekannt, ob die christlichen Filid die Ogam-Sprüche erfanden, oder ob es ältere, heidnische Vorversionen dieser Sprüche gibt. All das ist Spekulation. Nichtsdestotrotz finde ich die Wort-Ogams eine wunderbare Basis zum Orakeln. Wem die Sprüche zu wenig sind, der/die kann sich auch aus der neuheidnischen Literatur im Anhang bedienen oder versuchen, Analogien besser bezeugter Orakelsprüche zum Ogam zu finden (d.h., es kann durchaus interessant sein, Ogam mit I-Ching, Tarot, etc. zu vergleichen und sich dadurch inspirieren zu lassen). Eine weitere Möglichkeit ist, auch die Bedeutung der Bäume, wie sie im keltischen Brauchtum üblich war/ist, mit einfließen zu lassen (siehe im Hauptmenü unter Tiere, Pflanzen und Symbole). Ich selbst verwende eine Mischung aus Wort-Ogam und Baumbedeutung, wobei das Wort-Ogam für gewöhnlich Vorrang hat, und die Baumbedeutung nur dann einfließt, wenn der entsprechende Baum eine sehr wichtige religiöse Funktion in der keltischen Kultur hat.

 

Am Beispiel Coll (Haselnuss) hätten wir als Wortogam die Bedeutung der Süße, der Verspieltheit, der Freundschaft. Die Baumbedeutung des Haselstrauches geht aber tiefer, da die Haselnüsse in einigen irischen Geschichten Weisheit und Inspiration verleihen. Für mich ergibt sich daher, dass Coll sowohl Süße bedeutet als auch Inspiration. Ähnlich wie beim Tarot oder bei den Runen ergeben sich daher auch beim Ogam vielschichtige Bedeutungen, und es liegt immer in der Hand des/der Orakeldeuters/in, die für die jeweiligen Auslage richtige Bedeutung zu finden.

 

Im Prinzip kann man Ogamstäbe wie Tarot oder Wahrsagekarten verwenden, wenn es um Legemethoden geht. Das heißt, man kann sich Legemuster (z.B. keltisches Kreuz oa. - s.u.) zunutze machen, wo jeder Bereich mit einem bestimmten Wert belegt wird (z.B. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft). Dann könnte man für jeden Wert einen Stab ziehen und die Sache deuten. Interessanter ist es aber, den Stab-Charakter des Ogam auszunützen, die entsprechende Anzahl Stäbe blind zu ziehen, zu schütteln und dann auf das Muster (das man auf den Boden zeichnen könnte, oder auf ein ausgebreitetes Tuch) zu werfen. Dann schaut man, welche Stäbe am nächsten bei den einzelnen Werten am Muster liegen. Eine andere Möglichkeit ist, alle 25 Stäbe auf das Muster zu werfen, und nur die Stäbe zu deuten, die direkt auf den Werten zu liegen kommen, die anderen Stäbe entfernt man und deutet sie nicht. Diese Methode birgt die Gefahr in sich, dass nicht alle Werte besetzt sind. Man könnte dann so deuten, dass diese Werte für die Frage keine Bedeutung haben (Wenn man also z.B. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft als Werte hat, und es kommen nur auf Vergangenheit und Gegenwart ein Stab zu liegen, dann könnte man das so deuten, dass die Zukunft völlig offen ist - oder auch, dass es keine Zukunft mehr gibt. Wenn kein Stab auf die Vergangenheit zu liegen kommt, dass die Vergangenheit irrelevant ist für die Frage, etc.).

 

Dann gibt es noch die Möglichkeit, Stäbe auf eine leere Fläche zu werfen (s. Ogamtraktat - „83a Flussufer des Ferchertne“). Eine leere Fläche kann man verwenden, wenn man das Legemuster im Kopf hat und daher keine Zeichnung mehr braucht, oder wenn man nur ganz wenige Ogams wirft (z.B. zwei oder drei) oder wenn man ein sich selbst bildendes Muster werfen will, das man dann aus sich heraus deutet (siehe unten als Beispiel das Legemuster der Zeitschleife).

 

Je nachdem, mit welcher Art Stäben man orakelt, ergeben sich aus der Art der Stäbe auch weitere Möglichkeiten. So kann man die Stäbe speziell deuten, wenn sie mit der Rückseite nach oben zu liegen kommen - oder man kann die Rückseite der Stäbe mit eigenen Mustern oder Spezial-Ogams bemalen und deuten. Man kann Unterschiede bei der Richtung machen, in die die Ogams zeigen (aufrecht, umgedreht, waagrecht links, waagrecht rechts), so ergeben sich für einen Stab schon mehrfache Bedeutungen. Man kann bei der freien Legemethode, also ohne Legemuster, Unterschiede machen, inwieweit die Stäbe zueinander liegen. Das heißt, Stäbe, die weit auseinander liegen, haben miteinander weniger zu tun, als Stäbe, die knapp beieinander oder übereinander liegen. Stäbe, die zueinander sehen, können auf Kommunikation hindeuten, Stäbe, die voneinander wegsehen, auf Abkehr, welche, die in dieselbe Richtung schauen, sich gegenseitig potenzieren, etc. Alles das kann man ausprobieren, und sich entsprechende Deutungen überlegen. Ein „richtig“ oder „falsch“ gibt es nicht. Man muss sich nur an die Methode, mit der man arbeiten will, halten - und viel üben und experimentieren!

 

Sollte man auf eine Frage ein schlechtes Orakel als Antwort erhalten, ist es auch eine ziemlich heidnische Methode, die Gottheiten mit Opfern zufrieden zu stellen, und danach noch einmal zu fragen. Das heißt, wenn man eine Unternehmung unbedingt durchführen will, und die aber laut Orakel unter einem schlechten Stern steht, kann man mit Opfern die Sache etwas glücklicher gestalten (oder danach fragen, was man sonst noch tun kann, um die Sache zu einem glücklichen Ende zu bringen).

 

Dass man das Orakel nicht aus Spaß und Tollerei verwenden sollte (außer zum Üben), und dass man die Divination mit einer Vorbereitung und Einkehr beginnt (wie auch immer das aussehen mag - nach individuellen Bedürfnissen), versteht sich von selbst.

 


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Meine selbstgebastelten Ogamscheibchen aus Eibenholz.

Orakelwürfe auf einer leeren Fläche

 

Ein-Ogam-Spruch und Meditation

 

Einen einzigen Ogam-Stab zu ziehen, ist für einfache, kurze Fragen sinnvoll, oder wenn man nicht viel Zeit hat, oder wenn man sich ein Tages-Ogam ziehen will, oder wenn man sich ganz bewusst auf den vollen Umfang eines einzigen Zeichens einlassen will. Auch zum Lernen des Ogam ist es eine gute Methode, immer wieder ein Zeichen zu ziehen und sich eine Zeitlang nur damit zu beschäftigen.

 

Zum Meditieren ist ein Stab auch gut. Man kann alle Wort-Ogams und Bilder aus dem Ogam-Traktat als Meditationsbasis nehmen. An entsprechende Orte gehen, die entsprechenden Symbole betrachten, die passenden Bäume aufsuchen, etc. So kann man nach und nach ein umfassendes Bild eines Ogam-Zeichens erhalten.

 

Entweder-Oder-Antwort mit zwei Ogamstäben

 

Links ist „entweder“, rechts ist „oder“. Der bessere Stab gewinnt. Bei absolutem Gleichstand ist es egal, was man tut. Kommen bei beiden Antworten zwei gleich schlechte Stäbe, sollte man sich eine alternative Möglichkeit überlegen.

 

Ja-Nein-Antwort mit drei Ogamstäben, Version 1

 

Die Vorderseite der Stäbe bedeutet „ja“, die Rückseite „nein“. Man wirft drei Ogams. Alle drei mit der Vorderseite nach oben ist ein klares „ja“. Zwei nach oben „eher ja“. Einer nach oben „eher nein“. Alle drei mit der Rückseite nach oben, ein klares „nein“.

 

Ja-Nein-Antwort mit drei Ogamstäben, Version 2

 

Für diese Version habe ich mich von klassisch-antiken Oraklen beeinflussen lassen. Wenn im alten Rom oder Griechenland auf eine Frage hin ein Orakel schlecht war, sollte man die Unternehmung auf jeden Fall unterlassen. War es gut, musste zweimal noch nachgefragt werden, ob der Segen der Gottheiten wirklich gegeben war. Diese Art des Orakels kann man verwenden, wenn man in einer heiklen Angelegenheit ganz sicher gehen will. Man zieht also einen Ogamstab. Ist der ambivalent oder schlecht, lässt man die Unternehmung bleiben. Ist er gut, zieht man noch zwei weitere. Wenn einer oder beide schlecht sind, lässt man die Unternehmung bleiben. Sind alle beide gut, ist das ein gutes Omen.

 

3-Stäbe: Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft

 

Bei den folgenden Wurfmethoden mit drei Stäben, ist es eine gute Idee, die Stäbe in einer vertikalen Richtung von unten nach oben zu deuten (die auch der Schreibrichtung des Ogam entspricht). Der unterste Stab entspricht immer dem ersten Begriff (in diesem Fall „Vergangenheit“), der mittlere Stab dem zweiten (in diesem Fall „Gegenwart“), der dritte Begriff dem obersten Stab (in diesem Fall „Zukunft“).

 

3-Stäbe: Gegenwart, Zukunft, Ausblick/Ergebnis

 

Eh klar....

 

3-Stäbe: Bauch, Herz und Hirn

 

Mit diesem Wurf kann man den eigenen Körper bzw. die Gesundheit divinatorisch ansehen. Der Bauch entspricht dem Bauch, dem Körper an sich und den Vitalfunktionen, das Herz dem Herzen, dem Blutkreislauf, dem Brustbereich (Lungen) und der Psyche, der Gefühlswelt und dem sozialen Umfeld, und der Kopf entspricht dem Kopf, dem Hals, den Nerven, dem Verstand, der Intelligenz, der Vernunft und der Spiritualität.

 

3-Stäbe: Unterwelt, Erde und Himmel

 

Zur einfachen Betrachtung von Problemen. Die Unterwelt entspricht dem Unsichtbaren, dem latent Vorhandenen, dem Einflussnehmenden, von dem man nichts weiß. Die Erde entspricht dem Hier und Jetzt, dem Sichtbaren und Seienden, der Himmel könnte eine mögliche Lösung bereit haben.

 

3-Stäbe: Erschaffung, Bewahrung, Zerstörung

 

Analyse einer Sache: Was erschafft sie? Was bewahrt sie? Was könnte sie zerstören?

 

Die Zeitschleife der Entwicklung

 

Dieser Orakelwurf ist sehr komplex und dafür geeignet, ein Projekt oder die Gesamtheit einer Sache in ihrer Zeit anzusehen und zu analysieren. Die Frage für dieses Orakel ist: Wie entwickelt sich die Sache im Laufe der Zeit? Wie endet sie? Was passiert in der Zeit?

 

Man wirft 13 Stäbe auf das Feld. Alle Stäbe, die mit der Rückseite nach oben liegen, werden entfernt. Gedeutet werden nur die Stäbe, die mit der Ogam-Seite nach oben liegen. Wie bei den oben beschriebenen 3-Stäbe-Orakel wird von unten nach oben gelesen, wobei die Richtung der Ogams miteinbezogen wird (siehe Abbildung unten).

 

Der erste Stab unten markiert den Beginn der Angelegenheit, der oberste Stab das Ende bzw. den Ausgang. Die Stäbe dazwischen sind von unten nach oben immer weiter in der Zukunft. Der Stab, der am weitesten links liegt, zeigt die größte Gefahr an. Der Stab am weitesten rechts, die größte Kraft, das größte Glück. Der Stab in der Mitte (bei einer geraden Anzahl von Stäben sind es die zwei Mittleren) markieren die Hauptaussage, den Hauptfaktor, auf den man Rücksicht nehmen muss.

 

Wenn das Gesamtbild eher links liegt, steht die Angelegenheit unter keinem guten Omen. Liegt es eher rechts, ist ein gutes Omen gegeben. Liegt das Bild in der Mitte, ist es neutral. Auch einzelne Stäbe kann man danach deuten, ob sie eher links, eher rechts oder eher in der Mitte liegen, wobei sich schlechte Ogams ganz rechts und gute Ogams ganz links neutralisieren. Vor allem der Ende-Stab ist wichtig. Liegt er links oder ist er sehr schlecht (oder sogar beides), so muss man sich ernsthaft Gedanken um die Angelegenheit machen. Das ist ein Hinweis, dass die Angelegenheit entweder grundsätzlich ein böses Ende nimmt oder dass noch Wichtiges zu tun ist, um die Angelegenheit zu einem glücklichen Ausgang zu führen.

 

Alle Stäbe, die nach oben schauen (also zum Ziel), beschleunigen den Fortgang, fordern zu Aktivität auf. Alle Stäbe, die nach unten zeigen, blockieren den Fortgang, führen zurück, verlangsamen die Sache, zeigen Blockaden oder fordern zum Ausruhen auf. Alle Stäbe, die waagrecht liegen, deuten auf einen mittleren, neutralen Fortgang hin, wobei die, die nach links zeigen auf Gefahr hindeuten, die, die nach rechts deuten, auf Glück.

 

Stäbe, die sich berühren oder die übereinander liegen, werden als ein Stab gezählt. Sie potenzieren sich und sind sehr wichtig. Stäbe, die in der Zeitschleife eng beieinander liegen, deuten auf eine kurze Zeitspanne hin, Stäbe, zwischen denen viel Platz ist in der Schleife, deuten auf einen langen Zeitraum hin.

 

Um diese Orakelversion zu veranschaulichen, hier ein Beispiel (siehe Abbildung unten). Die fiktive Frage lautet: „Wie wird sich das Studium bis zum Abschluss der Diplomarbeit entwickeln?“

 

Von den 13 geworfenen Stäben, liegen sieben oben. Die sechs, die mit der Rückseite nach oben liegen, werden entfernt. Die Deutung wäre folgende:

 

1. AILM (Erstaunen, Beginn)

2. DUIR (harte, schöne Arbeit)

3. FERN (Schutz)

4. OIR (Pracht, Ehre, Schicksal)

5. IFIN (süßeste Herrlichkeit)

6. NIN (Prahlerei, Wettbewerb, Frieden)

7. EMANCOLL (Müdigkeit, Erschöpfung)

 

1. AILM, liegt an der untersten und an der am meisten linken Seite. Der Stab zeigt nach unten.

7. EMANCOLL zeigt das Ziel, das Ende an und ist waagrecht.

6. NIN, liegt an der am meisten rechten Seite und ist aufrecht.

4. OIR ist der mittlere Stab und liegt waagrecht.

 

Das Gesamtbild, sowie der letzte Stab liegen eher rechts. Das Studium ist also grundsätzlich unter einem guten Stern.

 

Der Zeitlauf:

 

Das Studium wird durch AILM angestoßen. Es beginnt überraschend, ungeplant, löst Erstaunen aus, und läuft gleich einmal in eine chaotische, verkehrte Richtung (Stab liegt verkehrt). Es dauert eine Weile, bis alles in die Gänge kommt (lange Zeit bis zum nächsten Stab). DUIR zeigt dann an, dass die Arbeit langsam aber sicher beginnt, aber von Gefahren (vielleicht Stress oder Überarbeitung – Stab zeigt nach links) begleitet wird. Gleich darauf folgen FERN und OIR. FERN, der Schutz, beschleunigt den Fortgang. Es kann darauf hindeuten, dass Maßnahmen zur Entspannung, ein geordnetes Umfeld, das Studium beschleunigen. Dann kommt OIR, das Schicksal. An und für sich ein guter Stab, aber er liegt waagrecht und zeigt nach links. Möglich, dass man sich zu sicher fühlt und im Lernen nachlässt. Dann kommt wieder eine längere Zeitspanne. Gefolgt von IFIN, das am Kopf steht. IFIN steht für Lebensglück, Entspannung, Feiern. Es könnte darauf hindeuten, dass man sich im Endspurt des Studiums auch genug Auszeit nehmen sollte. Gleich darauf folgt NIN, aufrecht. Der Wettbewerb spornt zu Höchstleistungen an. Es dauert eine kleine Weile an mit der vielen Arbeit. Am Ende kommt die Erschöpfung - EMANCOLL. Dass es waagrecht liegt und nach rechts zeigt, heißt, dass sie nur vorübergehend ist und keine gesundheitlichen Schäden hinterlässt. Die rechte Seite deutet auch darauf hin, dass das Studium fertig gemacht und geschafft werden kann.

 

Die größte Gefahr ist AILM. Böse Überraschungen, Krankheit, Überarbeitung.

Die größte Kraft ist NIN, der Wettbewerb, das Arbeiten zusammen, Team.

Das, was das Studium am meisten durchdringt, ist OIR, das Schicksal, die Ehre und Würde. Das heißt, dass immer wieder unvorhergesehene Dinge passieren, man sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen kann, das Unerwartete erwarten sollte, durch die eigene Würde zum Weitermachen angespornt wird.


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Orakelwürfe auf Legemustern

 

Keltisches Kreuz 1 – Die fünf Richtungen - Problemanalyse

 

Als Muster für die folgenden Legemethoden „Keltisches Kreuz“ kann man auch aus dem Ogamtraktat die Muster „74 – Rad-Ogam von Roigne Roscadach“, „75 - Fenster des Finn“, „76 – das Flussufer des Ferchertne“ verwenden. Ich habe die Legemethoden fürs keltische Kreuz so ausgerichtet, dass der Osten immer oben ist (also Blickrichtung nach vorne). Der Grund ist der, dass im alten Irisch die Begriffe für links und rechts Doppelbedeutungen haben und so u.U. auf eine ursprüngliche kultische Ausrichtung hindeuten könnten und auch die Heiligkeit der Rechtsdrehung erklären könnten: TUATH: Norden und links, DESS: Süden und rechts (woraus logisch der Osten für vorne und der Westen für hinten folgt).

 

Im Mythos „Die Gründung des Sitzes von Tara“ (Incipit do suidigud tellaich Temra) erklärt Fintan auf die Frage nach der Aufteilung Irlands: „dem Westen die Wissenschaft, dem Norden die Schlacht, dem Osten der Reichtum, dem Süden die Musik und der Mitte die Herrschaft“. Diese Aufteilung ist das Legebild (s.u.). Wenn man nun nach dem Problem fragt, wirft man fünf Stäbe. Der Stab in der Mitte (Herrschaft) zeigt das Problem an sich an. Der Stab im Westen (Wissenschaft) zeigt, was man tun kann, um das Problem zu lösen, die grundsätzliche Strategie. Der Stab im Norden (Schlacht) zeigt die Probleme, Gefahren, Feinde und Hindernisse. Der Stab im Süden (Musik) zeigt, wer bei der Problemlösung hilft, welche Kraft man anzapfen kann. Der Stab im Osten (Reichtum) zeigt an, ob das Problem leicht (guter Stab), schwer (ambivalent) oder kaum/gar nicht (schlechter Stab) gelöst werden kann. 


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Keltisches Kreuz 2 – Die fünf Richtungen - problembezogene Zukunftsvorhersage

 

Dasselbe wie vorher nur mit anderen Bedeutungen: Mitte (Herrschaft) zeigt die Gegenwart an. Westen (Wissenschaft) ist der Grund (die Vergangenheit) für die Frage, Osten (Reichtum) ist die mögliche Zukunft, die sich abzeichnet. Norden (Schlacht) sagt an, was man NICHT tun sollte. Süden (Musik) zeigt an, was man tun sollte, um die Sache zu dem bestmöglichen Ende zu bringen.

 

Keltisches Kreuz 3 – Jahresrad

 

Dieses Legebild kann man für eine Jahresvorhersage machen. Die vier keltischen Feste (die immer am Vorabend beginnen) zeigen die vier irischen Zeitabschnitte an. Samain: 31. Oktober bis 30. Jänner, Imbolc: 31. Jänner bis 29. April, Beltaine: 30. April bis 30. Juli und Lugnasad: 31. Juli bis 30. Oktober. Dasselbe kann man auch für die Monate eines Jahres machen oder für die sieben Tage der Woche.


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Keltisches Kreuz 4 – Die vier Städte der Tuatha Dé Danann

 

Die Tuatha Dé Danann (irische Gottheiten – Stämme der Göttin Danu) kamen laut dem Mythos „Cath maige Tuired“ aus vier Städten im Norden (bzw. im Himmel), nach Irland (um dort gegen andere Mächte zu Felde zu ziehen). Aus den vier Städten, die von vier Druiden beherrscht wurden, brachten sie die vier Schätze mit (siehe Skizze – wobei hier die Richtungen beliebig sind). Dieses Legebild kann man dafür verwenden, um herauszufinden, welche Energien oder Bereiche (bei sich selbst oder bei einem Problem) gut sind, welche blockiert sind, und man sich daher darum kümmern muss. Falias: Souveränität, Erdung, Herrschaft, Selbstbewusstsein, praktisches Wissen. Gorias: Zufall, Gelegenheiten, Feuer, Kraft, Energie. Findias: Spirituelles, theoretisches Wissen, Vernunft, Harmonie, Gesundheit. Murias: Wohlstand, Befriedigung der Grundbedürfnisse, Gefühle, soziales Umfeld.


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Das Fenster des Finn

 

Diese umfassende Legung ist eine Adaption von Caitlín Matthews aus ihrem Buch „Keltische Weisheitsstäbchen“ (s. Literaturhinweise unten). Das Legebild ist „Fenster des Finn“ aus dem Ogamtraktat. Es gibt 20 Werte (die 20 Hauptbuchstaben – je fünf in jeder Richtung). Entweder man wirft 20 Ogamstäbe und zählt die, die direkt auf den Buchstaben zu liegen kommen, oder man zählt alle 20 Stäbe (immer die, die am nächsten zu den jeweiligen Buchstaben zu liegen kommen). Diese Methode ist für ganz umfassende Lebensfragen gedacht. Wenn man das eigene Leben überschauen möchte, sich alles gravierend ändert, etc.

 

Jeder Buchstabe zeigt den Anfang eines Satzes, der durch das geworfene Stäbchen vollendet wird:

Aicme Beithe (oberer Balken):

1. Beithe: Meine Geschichte beginnt mit ....

2. Luis: Das von mir angestrebte Ziel findet sich in ...

3. Fern: Das größte Risiko ist ...

4. Sail: Ich finde Ausgleich in ...

5. Nin: Meine deutlichsten Lebensmuster zeigen sich in ...

 

Aicme hÚath (rechter Balken):

1. hÚath: Meine Ängste und Wünsche sind verknüpft mit ...

2. Duir: Meine größte Stärke liegt in ...

3. Tinne: Meine Fähigkeit, etwas zu bewältigen, zeigt sich in ...

4. Coll: Mein inneres Wissen enthüllt ...

5. Quert: Meine Quelle der Inspiration ist ...

 

Aicme Muin (unterer Balken):

1. Muin: Der innere Wunsch meiner Seele führt mich zu ...

2. Gort: Mein Streben hat mich geführt zu ...

3. Gétal: Für mich eröffnen sich immer Chancen, wenn ...

4. Straif : Ich werde verändert durch ...

5. Ruis : Ich werde nur noch zurückgehalten durch ...

 

Aicme Ailm (linker Balken):

1. Ailm : Das Erreichte zeigt sich, wenn ...

2. Onn : Meine Hoffnungen und Erwartungen erfüllen sich, wenn ...

3. Úr : Mein verborgenes Potential betrifft ...

4. Edadh : Befreiung kommt durch ...

5. Idad : Die tiefe Erinnerung fordert mich auf zu ...


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Finns Fenster aus dem Ogamtraktat

 

Zum Weiterlesen:
Ogamkarten und moderne Ogamdeutung

 

BAGGOTT Andy u. PRACOWNIK Peter, „Ogham - Das Keltenorakel“,

AGMüller Urania, Neuhausen am Rheinfall 2004, ISBN: 3-03819-016-0

Wunderschön mystisch gestaltete Orakelkarten zu den 20 Ogamzeichen (plus ein „leeres Ogham“ mit Mistel). Leider keine Forfeda. Der Künstler hat sich z.T. an die Wort-Ogams und die Vogelogams gehalten. Ansonsten allgemein mystisch-magische Themen, die nicht nur die jeweiligen Bäume beinhalten sondern erzählende Szenen. Das Beiheft ist allgemein esoterisch ohne nähere Infos zum Ogam. Die Baumnamen auf den Karten sind z.T. unhistorisch.

 

BLAMIRES Steve, „Celtic Tree Mysteries - Secrets of the Ogham“,

Llewellyn Publ., St. Paul, USA 1998, ISBN: 1-56718-070-1

(auch auf Deutsch erhältlich: „Baum-Magie mit dem keltischen Ogham-Alphabet“)

Wort-Ogams, einige Auszüge aus dem Ogam-Traktat, praktische Baummagie und ausführliche Texte zu den 20 Ogam-Zeichen. Die Forfeda sind nicht beschrieben.

 

LAURIE Erynn Rowan, „Ogam - Weaving Word Wisdom“,

Megalithica Books edition, Stafford, UK 2007, ISBN: 978-1-905713-02-8

Dieses Werk beschäftigt sich vor allem mit der ausführlichen Deutung der Wort-Ogams. Weiters enthält es ausführliche Ritualbeschreibungen mit dem Ogam, basierend auf dem kelt. rekon. Heidentum, Divinationsmethoden, Weihe der Ogamstäbe und die Verwendung des Ogam zum Heilen und Zaubern.

 

MATTHEWS Caitlin, « Keltische Weisheitsstäbchen. Ein Ogam-Orakel“,

Hugendubel Verlag, Kreuzlingen / München 2002, Orig. „Celtic Wisdom Sticks“, 2001,

ISBN: 3-7205-2338-1

Set mit hölzernen Ogamstäbchen (ohne Forfeda), Beutelchen und Buch. Interessant ist bei diesem Orakel, dass es jeweils vier Deutungsmöglichkeiten gibt, je nachdem, wie die Hölzchen zu liegen kommen. Interessante Divinationsmethoden. Die Autorin hat sich teilweise vom Wort-Ogam inspirieren lassen.

 

MATTHEWS John u. WORTHINGTON Will, „Das keltische Orakel - Der grüne Mann und die Weisheit der Bäume“,

Arun Verlag, Engerda 2004, Orig. „The Green Man Tree Oracle“, 2003,

ISBN: 3-935581-49-1

Schön gemalte 25 Orakelkarten zum Ogam. Die Bilder beinhalten durchwegs ausschließlich die Bäume, die allesamt “grüne-Mann-Gesichter” aufweisen. Keine anderen Szenen und z.T. unhistorische Baumnamen, dafür sind die Forfeda dabei. Das Beiheft ist allgemein esoterisch mit einigen Erklärungen zu Baumbedeutungen ohne nähere Infos zum Ogam.

 

MURRAY Liz u. Colin, „Das keltische Baumorakel - Ein divinatorisches Kartenlegesystem“,

Hugendubel Verlag, München 1989, Orig: „The Celtic Tree Oracle“, 1988, ISBN 3-88034-434-5

Einfach gestaltete 25 Orakelkarten zum Ogam, also auch Forfeda. Abgebildet sind nur die Bäume. Einige Baumnamen sind unhistorisch. Das Beibüchlein beinhaltet neben esoterischen Orakeldeutungen interessante neodruidische Gedanken zum kelt. Kalender, kelt. Orakeltechniken ua.

 

RHYS MOUNTFORT Paul, „Ogam - How to read, create and shape your destiny through the celtic oracle“,

Rider, London 2001, ISBN: 0-7126-1141-X

Wortogams, ausführliche Texte und Orakel  zu den 20 Ogham-Zeichen, keine Forfeda, dafür 4 Zusatzzeichen (die 4 Schätze der Tuatha Dé Danann).