Cretima Celtica
 
 
Anmeldung
 

Die Ogamschrift (F)

 

Ogam (im neuen Irisch: Ogham) ist die einzige Schrift, die innerhalb der vorchristlichen keltischen Kultur je erfunden wurde (antike Kelten schrieben in der Schrift jener Kulturen, mit denen sie Kontakt hatten, also Griechisch, Latein, Iberisch oder Etruskisch). Es wurde wahrscheinlich im 3. Jhdt. n. Chr. in Südirland unter Einfluss des lateinischen Alphabets und der lateinischen Sprach- und Schriftlehre erfunden (von wem, ist ungewiss) und ist uns in Irland (310 Inschriften, v.a. im Süden), Schottland (32 Inschriften, meist in Piktisch), der Isle of Man (fünf Inschriften), Wales (40 Inschriften in altertümlichem Walisisch), Cornwall (fünf Inschriften), Devon (zwei Inschriften) und England (eine Inschrift) in Stein-Inschriften (meist vom 3. bis zum 7. Jhdt.) bis heute erhalten. Es ist möglich, dass das Ogam schon vor der Verwendung als Schrift vorhanden war, und zwar als eine Art Gebärdensprache, Geheimcode oder Zählsystem. Auch frühere Inschriften in Rinde, Holz oder anderen vergänglichen Materialien sind möglich - aber nicht erwiesen.

 

Die Sprache der Ogam-Inschriften ist Ogam-Irisch bzw. Ur-Irisch (etwa 3.-7. Jhdt.). Das ist die älteste bekannte Form des Irischen und stellt sprachlich eine Verbindung vom antiken Keltisch (Gallisch, Keltiberisch, Lepontisch und Galatisch) zum Altirischen (8./9. Jhdt.) dar, welches sich über Mittelirisch (10.-13. Jhdt.) zum heutigen modernen Irisch entwickelte. Die allermeisten Inschriften befinden sich auf stehenden Steinen, die wahrscheinlich als Grab- oder Grenzsteine dienten. Sie beinhalten meist zwei männliche Namen (selten Frauennamen) im Genitiv, wobei der erste Name den entsprechenden Besitzer des Steines benennt, der zweie den Namen des Vaters (ganz selten den der Mutter). Manchmal ist auch der Stammesnamen angegeben.

 

Neben den spätantiken und frühmittelalterlichen Stein-Inschriften gibt es noch Ogam in literarischen Quellen, das heißt, in mittelalterlichen irischen Handschriften. Das bekannteste und umfangreichste Werk hiezu ist das in Altirisch verfasste Auraicept na N-Éces (12. Jhdt.) und darin das Ogam-Traktat, das tiefere Einblicke in Mythos und Verwendungsmöglichkeiten (vor allem magische) des Ogam bietet.

 

Weiters wird Ogam noch in einigen mittelalterlichen Mythen erwähnt: z.B. verwendet Cú Chulainn in der Táin Bó Cuailnge das Ogam als Botschaft an seine Feinde, wobei er aus Ästen einen Reifen bastelt und darauf die Ogamzeichen ritzt. Auch einen Hinweis auf Divination mittels Ogam findet sich in einer Sage: so soll der Druide Dalan auf der Suche nach der entführten Königin Etain vier Eibenstäbe genommen haben, darauf Ogam geritzt haben, und die Stäbe hätten ihm den Weg zu Etain gezeigt.

 

Ogam wurde nie für längere Texte verwendet (dafür hat sich spätestens mit der Christianisierung um 400 n. Chr. die lateinische Schrift durchgesetzt), immer nur für kurze Hinweise oder Namensinschriften. Der Grund dafür mag in der unpraktischen Schreib- und Lesemöglichkeit dieser Schrift liegen, die wohl einfacher als Gebärdensprache denn als Schreibschrift zu benutzen und zu deuten ist.

 

Die Ogambuchstaben (Irisch FID, Pl.: FEDA - zugleich bedeutet dieses Wort auch „Holz“) bestehen vor allem aus Strichen (Irisch: FLEASC, „Strich, Stab“), die an einer Schreiblinie (Irisch: DROIM oder FAOBHAR) angeordnet sind. Auf dreidimensionalen Materialien, wie Steinen oder Ästen, wird eine Kante als Schreiblinie verwendet. Geschrieben wird waagrecht von links nach rechts und senkrecht von unten nach oben. Bei Inschriftensteinen werden längere Texte über die Kante des Steines rund um den Stein geschrieben (siehe Skizze - Stein aus Ballintaggart). Am Anfang der Schreiblinie und manchmal auch am Ende befindet sich (vor allem in den literarischen Quellen) ein Häkchen, auf Irisch genannt: SAIGHEAD „Pfeil“. Zwischen einzelnen Buchstaben werden kurze Abstände gelassen, und zwischen Worten kann man Punkte machen, um die Worte voneinander zu unterscheiden.

 

Die Buchstaben sind in fünf AICMÍ (d.i. Irisch, Sg. AICME), das heißt, Gruppen, aufgeteilt. Jedes AICME besteht aus fünf Buchstaben und ist nach dem jeweils ersten Buchstaben benannt (siehe Skizze). Das AICME FORFEDA, also die Gruppe der Zusatzbuchstaben, beinhaltet Sonderzeichen, die als Diphtonge dienen und auch zur Schreibung von Lautwerten, die im irischen Alphabet nicht vorkommen. Die FORFEDA findet man nur äußerst selten auf den alten Steininschriften. Sie tauchen vermehrt erst in den literarischen Quellen auf. Die Buchstaben innerhalb der AICMÍ haben die Zahl fünf als Grundlage. Jedes AICME beginnt mit einem Buchstaben, der aus einem Strich besteht und endet mit einem Buchstaben, der aus fünf Strichen besteht.

 

Das Ogam wird auch „Beithe-Luis-Nin“ genannt, nach dem ersten, zweiten und fünften Buchstaben, und zwar nach der selben Logik wie die Begriffe „Alphabet“ (nach den ersten beiden Buchstaben des griechischen Alphabets - Alpha-Beta) oder „Futhark“ (nach den ersten Buchstaben der germanischen Runen: F-U-Th-A-R-K).

 

 


Foto



Ogam am Computer schreiben (I)

 

Ich habe auf der Website keine Fonts verwendet, damit niemand gezwungen ist, sich genau diese Fonts herunterzuladen. Es gibt im Internet eine Menge Ogam / Ogham-Fonts. Man kann sich diese leicht herunterladen und bei den eigenen Schriften abspeichern. Einem elektronischen Schriftstück in Ogam steht dann nichts mehr im Weg!

 

Wer sich diese Arbeit nicht machen will und Ogam auch im schnellen Internet-Gebrauch (z.B. in Foren oder im Chat) schreiben will, kann die Buchstaben auch mit den normalen Tastenfunktionen zusammenstellen. Da das Ogam ja eine sehr einfache Linienschrift ist, ist dies kein Problem:

 

>  und <  ist als saighead zu verwenden.

- ein Bindestrich als droim zwischen einzelnen Buchstaben

-- 2 Bindestriche zwischen Wörtern

, ein Beistrich für Aicme Beithe

' ein Apostroph für Aicme hÚath

/ ein Schrägstrich für Aicme Muin

| senkrechter Strich (alt-gr + > Taste) für Aicme Ailm

X für EA (Ebad)

O für OI (Oir)

@ für UI (Uileand)

xx für IO (Ifin)

# für AE (Emancoll)

 

Geschrieben würde z.B. das Wort SAIGHEAD ungefähr so aussehen:

 

>-,,,,-|-|||||-//-'-X-''-<






Die Ogamschrift in der deutschen Sprache (I, K)

 

Wie oben angeführt, sind die Sprachen, die in Ogam geschrieben wurden: Ogam-Irisch, Piktisch und eine altertümliche Version des Kymrischen. Die wenigsten Menschen beherrschen allerdings diese Sprachen (noch dazu, wo es sich um Trümmersprachen handelt - und auch nicht jede/r CR-Praktizierende ist des Irischen mächtig). Allerdings gibt es durchaus das Bedürfnis in einer bekannten Sprache Ogam zu schreiben. Sei es, dass man heilige Textformeln, magische Sprüche o.ä. aufschreiben will, sei es, weil man Ogam als Geheimschrift nutzen will oder einfach aus Spaß.

 

Die meisten Buchstaben des deutschsprachigen Alphabets findet man auch im Ogam. Hier nun meine Vorschläge für die fehlenden Buchstaben, wie man sie in Ogam schreiben könnte:

 

Ä - Emancoll (AE, Á, X)
CK - Quert (Qu, CC)
EI - Ebad (EA, É, K)
J - Ifin (IO, Í, P)
Ö - Oir (OI, O', TH)
SS, ß, SCH, SH - Straif (ST, Z)
Ü - Uileand (UI, Ú, Y, PH)
W - Fern (F, V)

 

Und hier nochmals das gesamte Alphabet mit den dazugehörigen Ogam-Buchstaben:

 

A - Ailm >-|-

Á (langes a, ah, aa) - Emancoll >-#-

Ä, AE - Emancoll >-#-

 

B - Beithe >-,-

C - Coll >-''''-

CC, CK - Quert >-'''''-

D - Duir >-''-

 

E - Edadh >-||||-

É (langes e, eh, ee) - Ebad >-X-

EA - Ebad >-X-

EI - Ebad >-X-

 

F - Fern >-,,,-

G - Gort >-//-

H - hÚath >-'-

 

I - Idad >-|||||-

Í (langes i, ih, ie) - Ifin >-xx-

IO - Ifin >-xx-

J - Ifin >-xx-

 

K - Ebad >-X-

L - Luis >-,,-

M - Muin >-/-

N - Nin >-,,,,,-

NG - Gétal >-///-

 

O - Onn >-||-

O' (langes o, oo, oh) - Oir >-O-

Ö - Oir >-O-

OI - Oir >-O-

 

P - Ifin >-xx-

PH - Uileand >-@-

Qu - Quert >-'''''-

R - Ruis >-/////-

 

S - Sail >-,,,,-

ß, SS - Straif >-////-

SH, SCH - Straif >-////-

ST - Straif >-////-

 

T - Tinne >-'''-

TH - Oir >-O-

TS - Straif >-////-

 

U - Úr >-|||-

Ú (langes u, uh, uu) - Uileand >-@-

Ü - Uileand >-@-

UI - Uileand >-@-

 

V - Fern >-,,,-

W - Fern >-,,,-

X - Emancoll >-#-

Y - Uileand >-@-

Z - Straif >-////-

 

 

 






Zum Weiterforschen

 

 

LE ROUX Francoise u. GUYONVARC’H Christian-J., „Die Druiden“,

Arun-Verlag, 2. Aufl. Engerda 1998, Original: „Les Druides“, ISBN 3-927940-34-8.

In diesem Buch findet man viele interessante Hinweise auf die irische und allgemein keltische Kosmologie, die für Divinationsmethoden herangezogen werden kann.

 

ZIEGLER Sabine, „Die Sprache der altirischen Ogam-Inschriften“,

Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994. ISBN: 3-525-26225-6

Wissenschaftliches Werk zur Etymologie und Bedeutung der Ogaminschriften.

 

www:

 

Thesaurus Indogermanischer Text- und Sprachmaterialien, die Ogamschrift (übersichtliche Darstellung von Ogamsteinen mit Umschrift und Übersetzung):

http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/didact/idg/kelt/ogamabb.htm

 

Ogam Inscriptions (viele Ogamsteine mit ausführlicher Darstellung und Übersetzung):

http://titus.fkidg1.uni-frankfurt.de/ogam/index.htm

 

Interessanter englischer Text übers Ogam aus heidnischer Sicht, aber wissenschaftlich fundiert mit netten links:

http://www.othergods.org/oghamlecturenotes.html

 

 

Einige wissenschaftliche Texte zu Entstehung und Sinn des Ogam:

 

„Ireland’s Ancient Code“ von Marie Brennan:

http://www.strangehorizons.com/2005/20050425/ogham-a.shtml

 

„On the Age of Ogam“ von Toby D. Griffin:

http://www.geocities.com/~dubricius/csana02.pdf

 

“The Impetus for Ogam and the Issue of Celticity” von Toby D. Griffin:

http://www.geocities.com/~dubricius/impetus.pdf

 

“Ogam: Celtic or Pre-Celtic?” von Toby D. Griffin:

http://www.geocities.com/~dubricius/csana01.pdf