Cretima Celtica
 
 
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Die Druiden (F)

 

© Artikel von Magdalena Pfaffl, 2008

 

Gliederung

 

 1      Einleitung

 1.1           Begriffsklärung: „Druide“ / „Kelte“

 1.2          Eingrenzung der Fragestellung

 

 2     Die Druiden in literarischen Quellen

 2.1          Die Druiden in der antiken Literatur

 2.2         Hinweise auf die Druiden in inselkeltischen Überlieferungen

 2.3         Die Etymologie des Wortes „Druide“

 

 3     Synthese

 3.1          Die Herkunft und Ausbildung der Druiden

 3.2         Zur Differenzierung der Druiden

 3.3         Die Aufgaben der Druiden: zwischen weltlicher und geistlicher Macht

 3.4         Das Ende der Druiden -  Druidenverbot

 

 4     Nachwort / Ausblick

 

 5     Quellen

 

 6     Anhang

 

 

 

1. Einleitung

 

 1.1                                                    Begriffsklärung: „Kelte“ / „Druide“

    

Beide Begriffe, sowohl der des „Druiden“, als auch der des „Kelten“ sind bedürfen zunächst einer Definition, dar sie im heutigen Gebrauch abhängig vom Kontext und - innerhalb der wissenschaftlichen Disziplinen -   vom Forschungsgegenstand in vielfältiger Weise benutzt werden.

 

In der älteren Forschung der alten Geschichte war das Wort „Kelte“ Synonym für jede schriftlose mitteleuropäische Kultur, wurde also sowohl für das Paläo- , Meso-  und Neolithikum als auch die Bronze und vorrömische Eisenzeit verwendet. Im helvetischen Sprachraum bezeichnete der Terminus „Celt“ im alten Sprachgebrauch nicht etwa ein Mitglied der „keltischen“ Kulturen, sondern vielmehr eine neolithisches Steinbeil.

 

Archäologisch wird das Wort „Kelte“, oft als Synonym für die  späteisenzeitlichen La Tène Kultur  (5.- 1. Jhdt. v.Chr. in Mitteleuropa) verwendet. Sie entwickelte sich aus der früheisenzeitlichen Hallstattkultur, welche wiederum eine direkte Entwickelung aus der Urnenfelderkultur darstellt, was viele Forscher dazu veranlasste eine oder beide Vorgängerkulturen als „proto-keltisch“ zu bezeichnen. Zu ihrer Blüte dürfte die „keltische“ La Tène Kultur wohl in der Oppidakultur der letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderte gefunden haben, bevor die keltischen Städte, die Oppida, um 80 v.Chr. aus bisher noch ungeklärten Gründen brach fielen.

 

Die in anderen Forschungsdisziplinen als „keltisch“ beschriebenen Kulturkreise Großbritanniens und Irlands erlebten ihre Blüte erst nach dem Niedergang der La Tène Kultur Mitteleuropas. Wie und wann die materielle und immaterielle Kultur vom Festland  auf den beiden Inseln eintraf ist in der ur-  und frühgeschichtlichen Forschung noch strittig. Es gibt aus verschiedenen Gründen, die auszuführen den Umfang dieser Arbeit sprengen würde, Vertreter der Annahme die irische und britische „keltische“ Kultur stände nur in einem sehr geringen direkten Zusammenhang mit der „keltischen“ La Tène- Kultur Mitteleuropas.

 

Für die nachfolgende Arbeit soll der Begriff der „Kelten“ weniger die Bevölkerung des La Tène- Kernland Europas beschreiben, sondern vielmehr als Überbegriff für die späteisenzeitlichen „keltischen“ Stämme Irlands und Großbritanniens, sowie Galliens vor der massiven Beeinflussung der autochthonen Kultur durch die Eroberung Cäsars verstanden werden.

 

Darüber hinaus wird der Begriff des „Galliers“, auf dessen genaue Herleitung hier aus Platzgründen verzichtet wird, für die unter anderem von Caesar beschriebenen „keltischen“ Stämme Frankreichs, sowie der Begriff „gallo-romanisch“ für nach der Eroberung durch Caesar beobachtete Phänomene verwendet werden. Letzteres legitimiert sich durch die Entstehung einer gallisch-romanischen Mischkultur, die eine Bezeichnung als „römisch“ ebenso missverständlich machen würde, wie eine Bezeichnung als „keltisch“ oder „gallisch“.

 

 

Den Begriff des „Druiden“ kennen wir ebenfalls aus der antiken Literatur. Caesar beschreibt ihn in „De bello Gallico“ wie folgt:

 

„Die Druiden versehen den Götterdienst, besorgen die öffentlichen und privaten Opfer und legen die Religionssatzung aus. [...] Sie sprechen das Urteil, wenn ein Verbrechen begangen wurde [...] Sie setzen Belohnungen und Strafen fest.“

    (DBG, VI, 13/14; übers. n. E. Filipovic-Haller 1998)

 

Hiermit wären die Druiden als religiöse und weltliche Autoritäten mit weitgehenden Befugnissen definiert. Jedoch finden sich in der Literatur - sowohl der antiken Primärliteratur, als auch der zeitgenössischen Sekundärliteratur - im Zusammenhang mit diesen Aufgabenbereichen noch eine Reihe weiterer Begriffe wie etwa den der „equites“ (s. z.B. DBG, VI 13/14; Le Roux/Guyonvarc’h 2002, 39; u.a.), des „vergobretus“ (s. z.B. DBG I, 16,5 u.a.), des „brehon“ (s. z.B. Litton 2003, 116 u.a.) und der „filidh“ bzw. „filid“ (s. z.B. Le Roux/Guyonvarc’h 2002, 39, Litton 2003, 116, u.a.).

 

Diesen mannigfaltigen Definitionen Rechnung tragend wird der Begriff des „Druiden“ im Folgenden als Überbegriff für die religiös-weltliche Führungsschicht der keltischen Welt verwendet. Auf die Abgrenzungen der Druiden nach innen und außen wird in einem eigenen Kapitel eingegangen.

 

 

Eingrenzung der Fragestellung

 

Da eine archäologische Betrachtung des Themenkomplexes, vor allem für den mitteleuropäischen Raum, lediglich zu der Feststellung kommen könnte, dass es aus archäologischer Sicht keinerlei Beweise für die bare Existenz einer Druidenkaste, geschweige denn Anhaltspunkte über ihre Funktion und Organisation gibt, muss diese Arbeit zur Betrachtung der Fragestellung die archäologische Methodik sowie den Kulturraum Mitteleuropas weitestgehend ausklammern.

 

Vielmehr soll im Folgenden auf die geographischen Räume Großbritanniens, Irlands sowie Galliens eingegangen werden. Zeitlich schwankt der Rahmen zwischen dem letzten Jahrhundert v.Chr. für Gallien, bzw. die Eroberung durch Rom und das Druidenverbot für Gallien und Großbritannien.

 

Für Irland ist keine genaue zeitliche Einschränkung festmachbar, da sich hier die Wandlung von der keltischen zur irisch-christlichen Kultur sehr schleichend vollzog und viele behandelte Begebenheiten der irischen Mythologie ohnehin durch den Charakter des Textes nur sehr fragwürdig datierbar sind.

 

Die archäologische Nichtfassbarkeit der Druiden sowie der Religiosität der Kelten allgemein soll im Nachfolgenden nicht mehr explizit erwähnt werden, wenn sie auch dadurch keinesfalls negiert werden soll und kann. Vielmehr soll hier eine weitestgehende Annährung an das mögliche aber nicht schlüssig zu beweisende Wesen des Druidentums im oben genannten Raum erfolgen. Hierbei wird sich die Arbeit im Folgenden quellenkritisch philologischer Primär-  und Sekundärquellen sowie mit wissenschaftlicher Methodik arbeitenden Quellen aus dem Grenzbereich zur Populärwissenschaft bedienen.

 

Nichts desto trotz wird diese Arbeit archäologische Quellen fassen, wo immer sie greifbar sind und versuchen, mit Hilfe von Indizien die Korrespondenz von archäologischen und philologischen Quellen herbeizuführen.

 

Auch wird an vielen Stellen lediglich auf den zu geringen Umfang dieser Arbeit, um das Thema auch nur annähernd umfassend behandeln zu können, hingewiesen werden können. 
 

 

2. Die Druiden in literarischen Quellen

 

 2.1           Die Druiden in der antiken Literatur

 

Maier verweist in seinem Kapitel über das „Kultpersonal“ der Kelten auf Diogenes Laertios, welcher in seinem Werk über „Leben und Meinungen berühmter Philosophen“ erwähnte, einige Autoren vertreten die Meinung die Philosophie habe „ihren Anfang bei den Barbaren genommen". (vgl. Maier 2001, 153)

 

„So habe es bei den Persern die Magier, bei den Babyloniern oder Assyrern die Chaldäer, bei den Indern die Gymnosophisten und bei den Kelten die so genannten Druiden und Semnotheen gegeben. Dies berichteten Aristoteles in seinem Magikos und Sotion im 23. Buch seiner Diadoche.

[...]

Falls der Hinweis auf Pseudo-Aristoteles und Sotion von Alexandria ernst zu nehmen ist, hatten die Druiden also bereits im 2. Jahrhundert v. Chr. die Aufmerksamkeit der antiken Beobachter auf sich gezogen.“ (ebd., 153.)

 

Die ältesten Texte über die Druiden stammen von Gaius Iulius Caesar, welcher sein Werk „De Bello Gallico“, über den Gallischen Krieg, 52/51 v.Chr. verfasste. Sein Text ist sowohl als Studie als auch als Propaganda zu begreifen, weswegen die Glaubwürdigkeit stark umstritten ist. (siehe auch ebd. 155 bzw. Anhang I) Nichts desto trotz liefern Caesars Beobachtungen aus VI, 13 wertvolle Anhaltspunkte über Leben, Ausbildung und Wirken der Druiden Kontinentaleuropas.

 

Als Quelle von Caesars Texten ist Poseidonios nicht auszuschließen, wenngleich einige Diskrepanzen bestehen. Maier hält eine Herkunft der Daten aus Caesars eigenem Erleben für unwahrscheinlich, da außer im „ethnographischen Exkurs von Druiden überhaupt nicht die Rede ist.“ (ebd. 154.)

 

Unter Berufung auf den ihn angeblich persönlich bekannten Druiden Diviciacus, dem Haeduer, berichtete auch Cicero über die Druiden. (vgl. ebd. 154) Diviciacus ist laut Perrin der einzige Druide, den wir aus der Geschichtsschreibung namentlich kennen. (vgl. Perrin 2002, 119)

 

In Diodor von Siziliens Historien wird in V, 31, 2-5 ebenfalls von den Druiden, insbesondere von den Barden unter ihnen berichtet.

 

Bei Strabon findet die keltische Priesterklasse in der Geographie IV, 4 ihre Erwähnung. Auf Strabon dürften auch die Texte von Ammianus Marcellinus zurück zu führen sein, welcher sich weiters auch auf Timagenes stützte. (vgl. Maier 2001, 154)

 

Pomponius Mela berichtet über sie in De Chorographia III, 2, 18.

 

Lucanus in De Bello Civili I, 454 - 462.

 

Plinius der Ältere in seiner Historia Naturalis XVI, 249 sowie XXX, 13.

 

Timagenes in Ammianus Marcellinus XV, 9.

 

Desweiteren finden sich auch kurze  Textstellen über die Druiden bei Hippolytus, Philosophumena I, XXV sowie bei Clemens von Alexandrien, Stromata I, XV, 71, 3 ff. Sie stammen aus dem dritten nachchristlichen Jahrhundert und können sich somit weitestgehend lediglich auf Legenden stützen. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 27)

 

Clemens von Alexandrien berichtet in seinen Texten von einer Beziehung zu Pythagoras (s. auch: Perrin 2002: Pythagoras und die Druiden) und Zalmoxis, welche historisch nicht beweisbar ist. (vgl. Le Roux/Guyonvarc’h 2002, 27) Nichts desto trotz zeichnen sie das Bild einer vernetzten vorchristlichen Welt, wie sie aus archäologischer Sicht auf Grund von Handelsbeziehungen, nachweisbar durch überregionale Produktionszentren und Importfunde, sowie den allgemeinen Zusammenhang der La Tène- Sachkultur, nicht unwahrscheinlich ist.

 

 

 2.2          Hinweise auf die Druiden in inselkeltischen Überlieferungen

 

Beinahe alle Texte aus der inselkeltischen Überlieferung entstanden nach der Christianisierung Irlands. Druiden fanden sowohl in den volkssprachlichen als auch den lateinischen Überlieferungen Erwähnung, jedoch waren diese Texte bereits vom frühen hagiographischen Schrifttum um die Heiligen Patrick und Brigit - letztere dürfte im Übrigen eine auf die keltische Göttin Brighid zurückgehende mythologische Gestalt sein -, gezeichnet.

 

Beispielsweise finden sich in den Überlieferungen Muirchús hagiographische Vergleiche mit biblischen Gestalten.

 

Als Beispiel für die Hagiographie in der Volksüberlieferung bringt Maier unter anderem:

 

„[...] zeigt das Beispiel des Erzdruiden Mog Ruith, der volkstümlicher Überlieferung zufolge seine Ausbildung bei Simon Magus erhalten hatte, danach in den Dienst des Königs Herodes trat und in dieser Funktion Johannes den Täufer enthauptete. Als im Schaltjahr 1096 das Fest Johannes des Täufers auf eine Freitag fiel und gleichzeitig eine Seuche in Irland wütete, sah sich die Kirche daher angesichts weitverbreiteter Ängste genötigt, Fastenübungen und Bußgebete zu fördern, um dadurch den Zorn Gottes von den Landsleuten des Übeltäters abzuwenden.“ (Maier 1998, 163)

 

Viele von Caesar und anderen antiken Autoren beschriebene Fähigkeiten und Attribute der Druiden, etwa der Bezug zur Eiche oder die Aufgaben des Druiden beim Opfer, werden von inselkeltischen Autoren nicht beschrieben, ihnen jedoch im Gegenzug allerhand magische Kenntnisse zugeschrieben. (vgl. ebd. 162f.)

 

Nennenswerte Niederschriften irischer Überlieferungen sind in etwa Auraicept na nÉces, „die Anfänge des Dichtertums“, in welchen die Wissenschaften der Filid [Druiden] niedergeschrieben wurden. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 448) In Compert Conchobair, „die Empfängnis Conchobars“, wird berichtet wie der spätere König Conchobar aus der Verbindung der Königin Ness mit dem Druiden Cathbad entsteht. (vgl. ebd. 449)

 

Foras Feasa ar Éirinn, „die Grundlagen des Wissens Irlands“, schrieb Geoffrey Keating in der ersten Hälfte des siebten Jahrhunderts. Es handelt sich hierbei um eine Art allumfassendes Kompendium zur Geschichte Irlands aus historischen und mythologischen Quellen. (vgl. ebd. 451)

 

Immacallam in da thuarad,  „Das Gespräch der zwei Weisen“, tradiert das Streitgespräch zweier Druiden. (vgl. ebd. 452)

 

Das Mabinogion soll hier als wichtige Sammlung walisischer mittelalterlicher Texte erwähnt werden. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 453)

 

Das Gespräch Fintans mit dem Falken Aichills überliefert eine klassische Seelenwanderung als Initiierung eines Druiden. (vgl. ebd. 451)

 

Wichtige Hinweise finden sich auch in irischen Rechtsniederschriften wie dem Crith Gablach, „der gegabelte Ast“, (ebd. 450) oder dem Senchus Mor, „Großes Altertum“. (vgl. ebd. 455)

 

Angesichts der gewaltigen Entwicklung und Veränderung der Kelten von ihrem Ursprung in der Hallstattkultur der ersten Hälfte des letzten Jahrtausends v.Chr. bis zu den Galliern oder - im Osten - den Dakern und Galatern - ist schwer festzustellen, welche Unterschiede der irischen Überlieferung zur antiken an einer tatsächlichen Veränderung der keltischen Kultur und des Druidenwesens fest zu machen sind und welche auf christlichem Missionarismus beruhen. Ähnliche Bilder der Zudichtung magischer Fähigkeiten zum naturwissenschaftlich-philosophischen Gelehrtentum zeichnete das hochmittelalterliche West-  und Mitteleuropa auch über die „Hexen“, um das Heidentum hiermit endgültig zu vertreiben.

 

Dass das keltische Heidentum inklusive der Druiden in Irland auch nach der Bekehrung durch Patrick noch lebendig war, beweist unter anderem eine Bestimmung in Patricks erster Synode, welche unter anderem verbietet, einem heidnischen Priester einen Eid zu leisten. (vgl. Maier 1998, 161)

 

Gemeinsam mit dem gesamten keltischen Komplex erlangten die Druiden schließlich im irischen Nationalismus des 18. bis frühen 20. Jahrhunderts Bedeutung und im Zuge dessen auch Verklärung (vgl. Litton 1997, 11f.), was sich naturgemäß auch auf Fach-  und Volksliteratur über Kelten und Druiden auswirkte und zur heutigen Popularität des Druiden beitrug.

 

 

 2.3          Die Etymologie des Wortes „Druide“

 

Le Roux und Guyonvarc'h leiten das Wort „Druide“ aus dem Griechischen her, wobei sie auf Plinius dem Älteren Bezug nehmen, welcher überlieferte, die Druiden hielten

 

„nichts für heiliger als die Mistel und der Baum, auf dem sie wächst, wenn es nur eine Eiche ist. [...] so dass sie ihren Namen „Druiden“ nach einem griechischen Wort erhalten haben könnten.“ (Plinius d. Ältere: Historia Naturalis XVI, 249; Übersetzung nach  Le Roux/Guyonvarc'h 2002)

 

Somit ließe sich das Wort „Druide“ vom altgriechischen „drys“, Eiche, ableiten.

Für wahrscheinlicher hielten sie jedoch eine Herleitung nach Markale über die gallische Form des Wortes aus dem Wort druides, welches auf „*dru- wid- es“, Eiche [*dru] und Gelehrter [*wid], also etwa „Eichengelehrter“ zurückgeht. In weiter Folge geht das Wort *wid auf dieselbe Wurzel wie das lateinische „videre“, sehen, zurück. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 37f. bzw. Markale 1989, 19f)

 

Auch stellt Markale eine Verbindung des Wortes „Wissen“ mit dem Wort „Wald“ (d.h. „wood“), dem griechischen vidu, in den Raum. (vgl. Markale 1989, 19f  bzw. Birkhan 1997, Anm. 4)

 

Birkhan verweist weiteres auf eine Theorie, wonach das Wort „Druide“ die „verallgemeinernde Bedeutung „stark - wichtig - sehr“ angenommen“ (Birkhan 1997, 898) habe. Hinweise hierauf fänden sich im Altirischen.

 

Das Wort „Druide“ hat jedenfalls im irischen „druí“ überlebt, welches zunächst Angehörige der Priesterklasse bezeichnete, ehe es mit der Christianisierung Irlands zur Bezeichnung der niederen heidnischen Priesterklasse deklassiert wurde. (vgl. Filipovic-Haller 1998, 24)

 

 

3. Synthese

 

 3.1           Die Herkunft und Ausbildung der Druiden

 

Dass die keltische Gesellschaft gewissermaßen eine Übergangsstufe von den wenig hierarchisch ausgeprägten Gesellschaften der europäischen Urgeschichte hin zu den stark ausdifferenzierten Gesellschaften des Mittelalters und der Neuzeit war, zeigt sich auch in der Herkunft künftiger Druiden. Die wenigen antiken und irischen Quellen erwähnen jedermann, ob Königs-  oder Druidensohn oder auch „Gemeiner“ hätte die Ausbildung zum Druiden hin beginnen können. (vgl. Filipovic-Haller 1998, 28) Es gibt sogar literarische antike und inselkeltische Quellen, die von Druidinnen als dryadae bzw. bandruíd / banfilid berichten. (vgl. Birkhan 1997, 896)

 

Von Diviciacus, dem einzigen uns aus der antiken Literatur namentlich bekannten Druiden nennt Caesar zudem niemals die Herkunft, was dahingehend verstanden werden kann, Diviciacus habe nicht aus einem einflussreichen, ergo erwähnenswerten Haus gestammt. (vgl. Perrin 2002, 119)

 

Fraglich bleibt bei dieser Theorie eines egalitären Zugangs zum Druidenamt jedoch, ob und wie der angehende Druide für seine Ausbildung zu zahlen hatte, und ob nicht genau hier eine Art indirekte soziale Selektion statt gefunden hat.

 

Von Caesar ist überliefert, die Ausbildung der Druiden habe zwanzig Jahre gedauert (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 74), in welcher sie das gesamte Wissen ihrer Zeit, das aufzuschreiben den Druiden ja verboten war, wohl in Versform, („Es heißt, sie lernen dort eine große Anzahl von Versen auswendig.“, DBG VI, 13; übers. Le Roux/Guyonvarc'h) auswendig gelernt hätten.

 

Le Roux und Guyonvarc'h ziehen die Parallele von diesen Versen zu den später verwendeten lateinischen Traktaten sowie indisch-brahmanischer Pädagogik. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 75)

 

Caesar schrieb auch einen aufschlussreichen Absatz über den Inhalt druidischer Lehren:

 

„Vor allem wollen sie davon überzeugen, dass die Seele nicht untergehe, vielmehr nach dem Tode von einem zum anderen übergehe, und sie glauben, dass dadurch die Tapferkeit ganz besonders geweckt werde, da die Todesfurcht ihre Wirkung verliere. Viel disputierten sie auch über die Gestirne und deren Bewegung, über die Größe des Weltalls und des Erdkreises, über das Wesen der Dinge, über Gewalt und Machtbereich der unsterblichen Götter und vermitteln das alles der Jugend.“ (DBG, VI, 13; übers. nach Le Roux/Guyonvarc'h)

 

Somit umfasste die Ausbildung des Druiden wohl die Astronomie inklusive der Erstellung und Pflege eines auf dem Mond basierenden Kalendersystems (vgl. Filipovic- Haller 1998, 28), wie es für die Landwirtschaft wichtig ist. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang der Kalender von Coligny (s. Cunliffe 1991, 106f.), der bis dato nicht vollständig entschlüsselt werden konnte. Da als Vorwissen für die Astronomie fundierte mathematische Kenntnisse benötigt werden, dürfen wohl auch diese vermutet werden.

 

Ebenfalls dürften die Druiden - je nach Übersetzung -  Kosmogonie bzw. Geographie und Kosmologie gelernt haben. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 76)

 

Weiters weist Caesar mit „de rerum natura“ (von der Natur der Dinge) auch auf die Naturwissenschaften und/oder Philosophie hin, was wiederum zur These des  Diogenes Laertios passen würde, wonach die Druiden bereits im zweiten vorchristlichen Jahrhundert als Philosophen weithin bekannt waren. (s. 2.1 bzw. vgl. Maier 2001, 153) Auch über die „Kraft und Macht der unsterblichen Götter“, also die Theologie der Kelten im weitesten Sinne, haben Druidenschüler laut Caesar gelernt.

 

Le Roux und Guyonvarc'h weisen, sich auf D'Arbois beziehend, zu Recht in der Folge noch auf die von Caesar nicht genannten, aber sehr wahrscheinlichen Studiengebiete hin: Geschichte, Musik, Dichtung, Grammatik und Rhethorik dürften ebenfalls wichtig für die als sehr wortgewandt bekannten Druiden gewesen sein. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 77)

 

Den Überlieferungen über den Druiden Diviciacus von Bibracte (vgl. Perrin 2002, 120) nach zu urteilen, dürfte es zumindest zum Teil auch eine Ausbildung in Fremdsprachen (Latein) sowie Militärwesen gegeben haben.

 

Fraglich und im Rahmen dieser Arbeit nicht zu bestimmen ist, inwieweit diese Ausbildung nach Spezialgebieten differenziert war und wie die ausbildenden Druiden für ihre Arbeit entlohnt wurde.

 

 

 3.2          Zur Differenzierung der Druiden

 

Bei antiken Autoren wie Strabo, Diodorus oder Athenaios findet sich eine Unterteilung innerhalb der Druidenkaste nach Barden, Vaten bzw. filid und „eigentlichen Druiden“. (vgl. Filipovic-Haller 1998, 24 bzw. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 24f) Caesar hingegen berichtete lediglich über die Druiden. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 25) Welche Gründe zu Caesars exklusive Beschreibung der klassischen Druiden geführt haben könnten, war aus der Literatur nicht zu erschließen, möglich wäre jedoch eine Schwerpunktsetzung Caesars, ebenso wie die Auswirkung des im Speziellen von ihm behandelten geographischen und zeitlichen Raumes sowie dessen Besonderheiten.

 

Eine genauere Untersuchung dieser Fragestellung wäre sicherlich im Interesse der festlandeuropäischen Erforschung des Druidenphänomens, würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit deutlich sprengen.

 

 

Druide

Barde

Vate

Caesar

Druide:

Religion,

Recht,

Unterricht

 

 

Diodor

Druide:

Philosophie,

Theologie,

Religion.

Barde:

Lobreden,

Satiren,

Schiedsgericht

Wahrsager:

Hellseherei,

Wahrsagerei,

Opfer

Strabo

Druide:

Naturwissenschaften,

Philosophie,

Recht

Barde:

Gesang,

Poesie

Vate:

Opfer,

Naturinterpretation

 

Tafel 1: Unterteilung der Druiden in der antiken

Literatur nach Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 26.

 

 

 

Die Druiden

Der „klassische“ Druide, der im irischen „druí“ überlebt hat, der nach der Christianisierung Irlands an Bedeutung verlor und lediglich noch einen Priester niedrigen Ranges bezeichnete, welcher sich exklusiv mit Zauberei beschäftigte. (vgl. Filipovic- Haller 1998, 24 bzw. Meir 1998, 162)

 

Die Druiden dürften Gelehrte in Philosophie und Naturwissenschaften gewesen sein, welche laut Pomponius Mela „die Größe der Erde und der Welt, | die Bewegung der Gestirne, | den Willen der Götter.“ kannten. (Pomponius Mela, de chorographia III, 2, 18, übers. Le Roux/Guyonvarc'h) Ihnen oblagen neben Belangen des Rechts und der Wissenschaften auch die Ausbildung der nächsten Druidengeneration sowie von Kindern der Führungsschicht.

 

Auch religiöse Pflichten oblagen den Druiden, und sie waren höchste Instanz bei rechtlichen und kultischen Fragen. Weiters waren sie für das Opfer zuständig und konnten als schlimmste Bestrafung eines Verbrechers, diesen vom Opfer ausschließen. (vgl. DBG, VI, 13/14)

 

Die Barden

Die Barden hingegen, welche ebenfalls zur geistlicher Kaste der Kelten gehörten, oblag es in Lobreden, Satiren, Gesängen und mittels Poesie Nachrichten aus verschiedenen Teilen der keltischen Welt zu transportieren und an vergangene Ereignisse zu erinnern. Ebenso wie die Druiden unterlagen auch sie dem Schreibverbot und mussten daher alle Gedichte und Gesänge von einem anderen Barden oder Druiden auswendig lernen.

 

Ihre Zuordnung zur geistigen Kaste zeigt die Heiligkeit des Wortes für die Kelten.

 

Laut Diodor oblag den Barden darüber hinaus auch noch das Schiedsgericht.

 

Die Vaten

Die Vaten, im Irischen filid bzw. filidh genannt, waren die Wahrsager und Hellseher der keltischen Kultur. Sie führten Orakel durch und interpretierten die Natur - im Gegensatz zu den Druiden auf Orakelbasis. Zur Erfüllung dieser Aufgaben und als stark mit der göttlichen Welt in Kontakt stehende Personen überrascht es wenig, dass sowohl Diodor als auch Strabo berichteten, die Vaten seien auch für Opfer zuständig gewesen. (vgl. ebd., 25ff. bzw. 59ff)

 

Mit der Christianisierung übernahmen die filid die Aufgaben der Druiden, die, wie bereits erwähnt, zu einem niederrangigen Magier deklassiert wurden. (vgl. Filipovic- Haller 1998, 24)

 

Vom Druiden Diviciacus von Bibracte jedoch ist wörtlich bei Cicero überliefert, er sei sowohl ein Druide gewesen, als auch, er habe Orakel betrieben:

 

„Die Kunst der Weissagung wird auch von den Barbaren gepflegt. Dies gilt für die Druiden in Gallien und unter ihnen für den Haeduer Diviciacus, der dein Gast war und der dich sehr gelobt hat. Auch ich bin ihm begegnet. Er erklärte, dass ihm die Erforschung der Natur der Dinge, von den Griechen „physiologa“ genannt, bekannt sei. Auch behauptet er, die Zukunft vorauszusehen, sei es durch Vorzeichen, sie es, dass er sie erahne.“ (Cicero, Über die Kunst der Weissagung 1, 41, 90; Übers. Perrin)

 

Im Zusammenhang mit Caesars Nichtbehandlung anderer Kategorien als der klassischen Druiden stellt sich natürlich die Frage ob der Existenz der oben vorgestellten Differenzierungen innerhalb der Druiden. Vielleicht jedoch ist das Problem auch rein lokaler und temporärer Natur und diese Unterteilung war lediglich für den gallischen Raum nicht gültig. Oder jedoch der Druide vereinte neben den Aufgaben, die dem Druiden oben zugewiesen werden auch noch Ausbildung und Aufgaben von Vaten/filid und Barden in seiner Person.

 

 

 3.3          Die Aufgaben der Druiden: zwischen weltlicher und geistlicher Macht

 

Allem Anschein nach standen die Druiden in der keltischen Gesellschaft in einem Zwielicht  zwischen weltlicher und geistlicher Macht. Sie waren keine Gottkönige oder Priesterkönige, wie man sie aus anderen Kulturen kennt oder, soweit es das urgeschichtliche Mitteleuropa betrifft, vermutet, doch waren ihre Macht und ihr Einflussbereich weitaus größer als jener eines gewöhnlichen Priesters.

 

Den Druiden oblag die Rechtsprechung, nach welchem selbst der König zu handeln hat, ebenso wie nach ihrem Rat. (vgl. Filipovic-Haller 1998, 29) Auch hatten sie die Befugnis, Bestrafungen festzulegen und auch auszuführen. Darunter als Höchststrafe der Ausschluss vom Opfer. Doch auch andere Mittel standen ihnen zur Verfügung, darunter die Satire, welche „auf religiöser Ebene [...] den Schuldigen direkt der Rache der Götter [aussetzt]“ sowie „auf gesellschaftlicher Ebene [...] Schmach und Schande [für den Betroffenen bedeutet].“ (ebd., 29)

 

Hier zeigt sich zum wiederholten Mal die Macht des Wortes, die die Druiden achteten und zugleich fürchteten. Diese Macht erhielten sie als Dichter (Barden) auch alleine dadurch, dass sie die Überlieferung vergangener Ereignisse garantierten (vgl. z.B. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 107). Ohne die Gedichte der Priester-Barden wäre jede noch so tapfere Tat noch während der Lebensspanne eines Mannes unwiederbringlich verloren gegangen. Eine Tatsache, derer sich die Herrschenden jener Zeit sicherlich vollends im Klaren waren, und die den Druiden, selbst ohne ihre religiösen Befugnisse, Macht selbst über die Könige verlieh.

 

Darüber hinaus erfüllten die Druiden jedoch auch alle Aufgaben eines Priesters von zeremoniellen Aufgaben und Opfern bis hin zum Orakel. Auf das viel diskutierte Menschenopfer und andere überlieferte, oft sehr martialische Opferpraktiken der Druiden soll an dieser Stelle aus Platz-  und Zeitgründen nicht weiter eingegangen werden. Es kann jedoch mit einer gewissen Sicherheit auch vom archäologischen Standpunkt her von einer Art des Opfers an die Götter ausgegangen werden.

 

Von der Vielzahl der Riten, für die die Druiden, wie andere Priester im religionswissenschaftlichen Vergleich, zuständig gewesen sein dürften, ist nicht viel überlieft. Lediglich das Mistelschneiden (vgl. z.B. Filipovic-Haller 1998, 29) ist sehr gut überliefert und hat den Sprung in den modernen Legendenkanon gemeistert.

 

Erwähnenswert ist auch die Rolle der Druiden in der Ausbildung. So ist in etwa aus einer irischen Quelle vom File Dallan Forgoll überliefert, er habe täglich das Studium von 150 Schülern geleitet. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 71) Sicherlich hat es sich bei diesen 150 mitnichten nur um angehende Druiden gehandelt, sondern zu einem großen Teil um die künftige lokale Elite. Betrachtet man die universelle Ausbildung der Druiden (s. 4.1), so erscheint es natürlich, dass ihr Wissen für angehende Kaufleute, Krieger, etc. von hohem Wert gewesen ist.

 

Auch haben Druiden wohl als Botschafter gedient, wie sich in etwa aus Caesars Beschreibung des Druiden Divicacus, welcher in Rom Unterstützung gegen die Sequaner erbat, erkennen lässt. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 107) Diese Aufgabe dürften sie auch zwischen den weit verstreuten und kulturell differenzierten keltischen Stämmen inne gehabt haben und somit die keltische Kultur zusammen gehalten haben. (s. 3.3)

 

Eine weitere vitale Aufgabe der Druiden war, wie bereits weiter oben erwähnt, die Erstellung und Führung eines Kalenders mittels der Beobachtung des Mondes und der Gestirne (vgl. Filipovic-Haller 1998, 32), welche in wilde Theorien über Druiden als die Erbauer von Stonehenge gipfelt.

 

Mit ihren hierfür nötigen Kenntnissen der Astronomie und damit der Mathematik  zeichnet sich auch ab, dass sich die Druiden als fähige Architekten für größere Bauvorhaben, wie etwa Festungen, verdingt haben, wie auch eine Überlieferung aus dem Lebor na hUidre bestätigt. (vgl. Le Roux/Guyonvarc'h 2002, 123)

 

Selbst Krieger-Druiden dürfte es gegeben haben. Einer von ihnen war wohl Cathbad, der Krieger-Druide von Ulster. (vgl. Le Roux / Guyonvarc'h 2002, 124ff) Aber auch Diviciacus hatte wohl militärisches Wissen. So wurde er nicht nur für seine Rede vor dem römischen Senat 61 v.Chr. bekannt, die er bewaffnet und im Stehen „auf seinen langen Schild gestützt“ hielt, sondern zeigte auch Caesar gegenüber strategische Kenntnisse. (vgl. Perrin 2002, 120)

 

Nicht nur Filipovic-Haller betrachtet die Druiden als „Mittler zwischen Göttern und Menschen“. (vgl. Filipovic- Haller 1998, 29) In dieser Eigenschaft dürften sie wohl gewissermaßen außerhalb des gesellschaftlichen Systems der Kelten gestanden haben. Doch wer wiederum überwachte die Druiden, und gab es eine Art Hierarchie innerhalb des „Ordens“ der Druiden? Beides sind Fragestellungen, die zu bearbeiten den Rahmen dieser Arbeit leider sprengen würde, die jedoch nichts desto Trotz von großem Interesse wären. (Le Roux / Guyonvarc'h verweisen auf S. 143ff auf „die drei Sünden des Druiden“, die zumindest auf eine Art Kodex innerhalb der Druidenkaste hinweisen.)

 

Was die Finanzierung des Druidenwesens angeht, deuten antike Quellen und irische Überlieferungen darauf hin, dass die Druiden je nach erbrachter Leistung und sicherlich auch Handlungsgeschick entlohnt wurden.

 

 

 3.4          Das Ende der Druiden - Druidenverbot

 

Nach der Eroberung Galliens durch Iulius Caesar 50 v. Chr. verfuhren die Römer mit den neu unter ihre Regierung gelangten Provinzen wie gewohnt: Sie schufen städtische Zentren, wie Augusta Auscorum (Auch) und Lugdunum Convenarum (St-Bertrand-de-Comminges) nach römischen architektonischen und kulturellen Maßstäben. Das Oppidum Bibracte, das bis dato städtisches Zentrum der Haeduer gewesen war, wurde zu Gunsten der neu gegründeten Stadt verlassen. Auch wurde Gallien nach römischen Überlegungen in Territorien aufgeteilt. Mit der Verwaltung kommunaler Angelegenheiten betraute Rom gerne die lokale Elite, von denen viele das römische Bürgerrecht besaßen, und auf religiöser Ebene erfolgte die Wahl lokaler Priester für den Kaiserkult. Dieser Priester war jedoch nicht ein religiöser Spezialist, sondern vielmehr war das Amt des öffentlichen Priesters das höchste der Ehrenämter (honores), welches die Karrieren der Bürger krönte. (vgl. van Andringa 2002, 39f.)

 

Die Druiden waren somit vom reinen Wechsel des Systems zugunsten des neuen, römischen Systems -  wie es in Irland geschah -  ausgeschlossen. Doch es sollte für sie noch schlimmer kommen: Gleich drei aufeinander folgende römische Kaiser, nämlich Augustus, Tiberius und Claudius, verbaten die Lehre druidischen Wissens (vgl. Coulon 2002, 42). Coulon führt hierzu aus:

 

„Drei Erlasse römischer Kaiser hatte es also bedurft, um diesen Priestern und ihren Lehren ein Ende zu bereiten. Das spricht dafür, wie lebendig der Widerstand war, welchen großen Einfluss die Druiden hatten und wie stark die Bevölkerung ihrem Glauben verhaftet blieb.“ (ebd., 42)

 

Trotz immer drakonischer werdenden Strafen glauben einige Wissenschaftler, etwa Jean-Jaques Hatt, die druidische Lehre habe im Untergrund noch lange weiter bestanden. (vgl. ebd., 43) Ein Indiz hierfür bieten etwa die Überlieferung des Pomponius Mela (s. Pomponius Mela, De Chorographia, 3,2,18-19) sowie die Erwähnung von Magiern und Propheten bei Tacitus (s. Tacitus, Historien, 4,54,4).

 

Im ersten Jahrhundert nach Christus begann der Einfluss der Druiden zu schwinden und mit ihm veränderte sich auch der Aufgabenbereich der keltischen Priesterkaste: Sie befasste sich nun vor allem mit der Lehre und Wahrsagerei, welcher sie an geheimen Orten nachgehen mussten. Ihre Philosophie, so schreibt Coulon, mussten sie hierbei jedoch aufgeben und beschäftigten sich von da an eher mit „intellektuell weniger anspruchsvollen Aufgaben“. (vgl. Coulon 2002, 43)

 

Interessanterweise finden sich allerdings ausgerechnet für das erste Jahrhundert nach Christus vier Inschriften, die den „gutuater“ erwähnen, ein Mitglied der gallischen Priesterschicht, dessen genaue Aufgaben jedoch nicht näher bekannt sind. „Handelte es sich um einen Druiden, der in der Rolle des Opferpriesters, einen Priester, dessen Aufgabe das Gebet war oder um einen Bediensteten, der einem Heiligtum oder einer lokalen Kultgemeinschaft angehörte?“ (ebd. 2002, 43) notiert Coulon hierzu.

 

Im vierten Jahrhundert tauchte schließlich ein Mann namens Ariborius auf, welcher angeblich ein Druide und Astrologe war. Auch wenn seine druidische Abstammung bezweifelt werden mag, fanden sich noch andere Fälle wie die zweier Professoren aus Bordeaux, die laut Ausonius druidischer Abstammung waren.

 

Ist diese so genannte „Renaissance“ der Druiden ein Hinweis darauf, das Druidentum könnte sich im Untergrund des römischen Reiches jahrhundertelang gehalten haben? Während diese Frage nach heutigem Forschungsstand und mit dem zeitlichen Rahmen dieser Arbeit nicht zu beantworten ist, gibt es dennoch Hinweise aus der Archäologie, die eine keltische Renaissance im Gallien des vierten Jahrhunderts nahe legen. So tauchten in Etwa keltische Keramikstile nun wieder auf. Inwiefern die von Ausonius genannten Professoren sowie der „Druide“ Ariborius sich tatsächlich auf druidisches Wissen berufen konnten, bleibt jedoch unbekannt. (vgl. ebd., 44)

 

Für Irland brach das langsame Ende der Druiden mit der Bekehrung durch St. Patrick im fünften Jahrhundert an. Zwar wurden die druidische Lehre hier nicht, wie im römischen Reich, verboten, doch mit gesetzlichen Einschränkungen versehen, die noch zu den neuen, religiösen Regeln im Hinblick auf den Umgang mit dem „Heidentum“ hinzu kamen. So verbietet Patrick in der ersten Synode zum Beispiel einem heidnischen Priester gegenüber einen Eid zu leisten. (vgl. Maier 1998, 161)

 

Einige Druiden konvertierten zum Christentum und bildeten somit einen Teil der ersten Generation irischer Mönche. Es waren wohl auch sie, die einige Fragmente der keltischen Mystik in irisch-katholische Traditionen einbanden. Das plakativste Beispiel ist hier sicher der Kult um die heilige Brigitte, die lediglich eine christianisierte Form der keltischen Göttin Brighid ist.

 

Die verbliebenen heidnischen Priester verloren an Einfluss und wurden zu niederen Opferpriestern des Volksaberglaubens. Die Vaten wurden wohl zu filid, später auch File, deren Aufgabe auf das Orakel beschränkt war. Die Druiden wandelten sich zu druí, die alle Aufgaben bis auf die eines Opferpriesters und sicherlich in beschränkter Form auch eines Lehrers der heranwachsenden Generation einbüßten. (vgl. Filipovic-Haller 1998, 24

 

 

 

4. Nachwort / Ausblick

 

Die Beschäftigung mit den Druiden stellt einen durchwegs kontroversen Forschungsgegenstand dar. Bedingt wird dies nicht nur durch das weitestgehende Fehlen von archäologischen Quellen auf Grund der natürlichen Selektion der Funde und Befunde sondern auch durch die vielfältige Interpretierbarkeit des philologischen Materials und „keltischer“ Funde im fraglichen Raum wie etwa der (gallo-romanischen) Tempelanlage von Ribemont- sûr- aronde.

 

Viele Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Druidenphänomen sind noch zu klären bzw. genauer zu bearbeiten: So konnte etwa bis dato kein tatsächlicher Beweis für die Existenz einer Druidenkaste erbracht werden. Zumindest theoretisch wäre es denkbar dass die antiken, römischen Autoren und die sich auf weitestgehend dieselben Quellen beziehenden Historiographen des Mittelalters lediglich einen Kunstbegriff zu Vergleichs-  wenn nicht sogar Propagandazwecken eingeführt haben könnten (s. auch Anhang I). Nichtsdestotrotz erscheint die Existenz von Druiden oder zumindest einer ihnen in Struktur und Aufgaben stark ähnelnden Gruppe sehr wahrscheinlich. Warum hätte zum Beispiel eine artifizielle Gruppe gleich drei Mal verboten werden müssen? (s. 3.4)

 

Was im Übrigen selbst unter Postulat der Existenz von Druiden eine interessante Frage bleibt: Welche Umstände führten dazu, dass römische Herrscher sich durch die Druiden so stark bedroht fühlten, dass sie ihre Lehre ganz und gar verboten, wo doch im allgemeinen in römischen Provinzen Religionsfreiheit herrschte. Eine mögliche, jedoch zu überprüfende Antwort hierauf wäre, dass sich die Druiden, wie auch jüdische Aufständische in Israel dem Kaiserkult verwehrten und damit die Missgunst ihrer römischen Herren auf sich zogen.

 

Weiters bleibt auch fraglich, wodurch sich die Druiden finanzierten und, insbesondere ob durch eben dieses Finanzierungsproblem nicht doch eine soziale Auswahl contra ein egalitär zugängliches Druidentum erfolgte. (s. 3.1)

 

Auch zum möglichen Über-  und Weiterleben von Druiden oder filid in beiden behandelten Gebieten, Irland und Gallien, ist noch Forschungsarbeit offen. (s. 3.4)

 

Sowie sich natürlich die Frage stellt ob der Umlegbarkeit etwaiger Erkenntnisse aus den durch Fremdtexte überlieferten Druidenkulten Galliens und Irlands auf das keltische Zentralgebiet Mitteleuropas besteht. Im Zusammenhang hiermit fragt sich auch, warum Caesar lediglich über die Druiden, nicht jedoch über Vaten oder Barden berichtete (s. 3.2). War dies durch eine andere Strukturierung der Druiden bedingt, hätte es direkte Auswirkungen auf ebendiese Umlegbarkeit. Geschah dies zu Propagandazwecken, hätte es hingegen Einflüsse auf die Glaubwürdigkeit seines "de bello Gallico" im Kontext des ethnologischen Diskurses.

 

Die Frage von möglichen Außenkontakten, wie bei Diogenes Laertios erwähnt (s. 2.1), wäre ebenfalls noch zu klären und könnte die Forschung unter glücklichen Umständen womöglich sogar auf bisher unbekannte Schriftquellen oder gar archäologisch fassbare Sachgüter lenken.

 

Doch auch aus dem Blickwinkel der gender studies bedarf das Thema der bandruí bzw. banfilid, der weiblichen Druiden, näherer Betrachtung. Zumindest teilweise, wenn auch nur im Kontext einer größeren, weitergreifenden Arbeit, hat dies Elisabeth Filipovic-Haller (s. Filipovic- Haller 1998) bereits getan.

 

Das Druidenphänomen bietet sich durch die Vielzahl an fachübergreifenden Fragestellungen für interdisziplinäre Forschungsprojekte geradezu an. Philologen, Historiker und Archäologen verschiedener Disziplinen müssen zur weiteren Erkenntnisfindung Hand in Hand mit Soziologen, Politikwissenschaftlern, Religionswissenschaftlern, Ethnologen, Linguisten und womöglich sogar Rechts- und Medizingeschichtlern zusammenarbeiten. Die Einrichtung eines interdisziplinären Studienganges „Keltologie“ an der Universität Wien war hierzu sicher ein wichtiger Schritt.

 

Im Zusammenhang mit der Bearbeitung des antiken Druidenthemas darf natürlich auch die Existenz von neodruidischen Bewegungen aus dem Kontext von Esoterik und New-Age nicht unerwähnt bleiben. Diese Bewegungen sind im Verlauf des 20. Jahrhunderts, manchmal (angeblich) auch bereits früher entstanden. Sie haben sicherlich zur Verbreitung von romantisiertem Halbglauben rund um die Druiden beigetragen, welcher nicht nur im allgemeinen „Wissen“ seinen Niederschlag gefunden hat sondern auch in der Literatur sowohl als Romantisierung in einem intentionell geschriebenen Text als auch als übertriebene Härte gegen jede noch so kleine Verklärung.

 

Intensive Forschung ist die beste Handhabe gegen hier angesammeltes Halbwissen und Wissensmissbrauch. Womöglich könnte sich hieraus in weiterer Folge zumindest teilweise eine fruchtbare Wechselwirkung zwischen neodruidischen Bewegungen und Forschung ergeben, da es in den Kreisen eben jener durchaus engagierte, belesene Menschen gibt, die überraschenden Input in die Forschung einbringen könnten. Intensive Quellenkritik muss hier natürlich erfolgen, doch das muss sie ohnehin bei jeder Quelle von Caesar bis Le Roux.

 

Ich möchte diese Arbeit mit einem Plädoyer für mehr interdisziplinäre Zusammenarbeit und Mut in der Forschung, neue Wege zu gehen und ungewöhnliche Partnerschaften zu beginnen sowie auch einmal bisher unbeachtete Quellen anzuzapfen, beschließen. Nur so wird es möglich sein, den Druiden und ihrem Kult und Lebensumfeld signifikant näher zu kommen und ein für alle Mal mit Mythen sowohl vom grausamen Menschen-am-Fließband-Opferer als auch vom edlen Helden und Idealbild einer archaischen Gesellschaft aufzuräumen.

 

 

 

5. Quellen

 

Bats, Michel: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 11- 14.

 

Birkhan, H.: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. Wien 1997.

 

Brunaux, Jean- Louis: Priester in Gallien. In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 17- 19.

 

ders.: Wer waren die Druiden? In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 2- 6.

 

Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002.

 

Coulon, Gèrard: Das Weiterleben des Druidentums in römischer Zeit. In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 42- 47.

 

Cunliffe, B.: Die Kelten und ihre Geschichte. Bergisch Gladbach 1991.

 

Filipovic-Haller, Elisabeth: Glaubensvorstellungen und Mythologie der Kelten. Wien 1998, 22- 33.

 

Le Roux, Francoise / Guyonvarc'h, Christian- J.: Die Druiden. Engerda 2002.

 

ders.: La société celtique. Dans l'idéologie trifonctionelle et la tradition religieuse indo- européennes. Rennes 1991.

 

Litton, Helen: The Celts. An illustrated History. Dublin 2003.

 

Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten. Götter - Mythen - Weltbild. München 2001 / Bonn 1998, 153- 164.

 

Markale, J.: Die Druiden. Gesellschaft und Götter der Kelten. München 1989.

 

Perrin, Franck: Diviciacos. Ein Druide aus Bibracte. In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002.

 

van Andringa, William: Das Druidenverbot. In: Cain, Hans- Ulrich / Rieckhoff, Sabine (Hrsg.): fromm - fremd - barbarisch. Die Religion der Kelten. Mainz am Rhein 2002, 39- 41.
 

 

 6     Anhang

 

„Wie bereits festgestellt [...], hat Caesar in seiner Darstellung der gallischen Götter nicht nur die Unterschiede zu den Germanen stark übertrieben, sondern auch den Gegensatz der regional differenzierten gallischen Kultur zur zentralistischen römischen Religion durch das Postulat eines hierarchisch organisierten gesamtgallischen Pantheons zu verwischen gesucht. Der Verdacht liegt nahe, dass seine Bemerkungen über die Druiden denselben Zweck verfolgten und also in erster Linie die Akkulturationsfähigkeit der Gallierin in ein besonders günstiges Licht rücken sollten. Dass die Germanen keine Priester und keine Opfer gekannt haben sollen, wird durch archäologische Funde, das Zeugnis der Sprachwissenschaft und Bemerkungen des Tacitus (Germania 9,1; 10:1, f.; II,2) so eindeutig widerlegt, dass der von Caesar postulierte Gegensatz zu den Galliern als eine sachlich ungerechtfertigte, künstliche Konstruktion gelten muss. Dass Caesars Charakterisierung der Druiden ein ähnliches Zweckprodukt politisch- militärischer Propaganda darstellt, ist zwar nicht schlüssig zu beweisen, doch fällt auf, dass Caesars ausführliche Schilderung die gallischen Priester für römische Leser in die Nähe der ihnen wohlbekannten pontifices rücken musste.

[...]

Die Möglichkeit, dass Caesar die gallischen Priester - vielleicht unter Mithilfe seines politischen Freundes Diviciacus - absichtlich als Gegenstück der römischen pontifices geschildert hat, um auch hier die Akkulturationsfähigkeit der Gallier gebührend zu unterstreichen, ist nicht von der Hand zu weisen und bei der Einschätzung des Quellenwerts dieser nur hier bezeugten Angaben in Rechnung zu stellen.“

 

aus: Maier, Bernhard: Die Religion der Kelten. Götter - Mythen - Weltbild. München 2001 / Bonn 1998, 154f.