Cretima Celtica
 
 
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Mistelernte im weißen Tuch

Plinius und seine Mistel schneidenden Druiden (F)

- eine (neuheidnische) Interpretation

 

 

            „Nichts ist den Druiden heiliger als die Mistel und der Baum, auf dem sie wächst, sofern es nur eine Eiche ist. Schon deswegen wählen sie Eichenhaine und vollziehen kein Opfer ohne Eichenlaub. Sie meinen wahrhaftig, dass alles, was auf jenen Bäumen wächst, vom Himmel gesandt und ein Kennzeichen des von der Gottheit selbst erwählten Baumes sei. Eine solche Mistel wird jedoch einigermaßen selten entdeckt und wird, wenn gefunden, mit großer Ehrfurcht aufgesucht, und zwar vor allem am sechsten Tage nach Neumond, zu einem Zeitpunkt, an dem bei ihnen die Monate und Jahre beginnen, sowie nach Ablauf von 30 Jahren eine Generation. Zu diesem Zeitpunkt habe der Mond schon reichlich Kraft gesammelt, seine Höhe aber noch nicht überschritten. Sie bezeichnen die Mistel in ihrer Sprache als „Allheiler“.

            Nachdem man das Opfer und das Festmahl unter dem Baum feierlich vorbereitet hat, führen sie zwei Stiere von weißer Farbe herbei, deren Hörner dann zum ersten Mal bekränzt werden dürfen. Ein Priester in weißem Gewand steigt auf den Baum und schneidet die Mistel mit einer goldenen Sichel ab. In einem weißen Leinentuch wird sie aufgefangen. Dann schlachten sie alsbald die Opfertiere und beten, der Gott möge seine Gabe denen zum Segen gereichen lassen, denen er sie verliehen habe. Sie glauben, dass durch einen Trunk davon jedem unfruchtbaren Lebewesen Fruchtbarkeit verliehen werde und dass es ein Heilmittel gegen alle Gifte sei.“

(Plinius d. Ältere, Naturgeschichte 16: 249-251)

 

 

 

Diese recht anschauliche Beschreibung stammt von Gaius Plinius Secundus Major, kurz "Plinius der Ältere" genannt. Der römische Beamte und Schriftsteller wurde 23 oder 24 n. Chr. in Novum Comum (Como) in Norditalien geboren und starb im August 79 n. Chr. durch den verheerenden Ausbruch des Vesuvs in Stabiae (Golf von Neapel) während er eine Rettungsaktion leitete (dokumentiert von seinem Neffen Plinius d. Jüngeren). Sein herausragendstes Werk ist die "Naturalis Historia", die Naturgeschichte, eine aus 37 Büchern oder 2.493 Einzelkapiteln bestehende Enzyklopädie, in der es um Geographie, Ethnologie, Botanik, Zoologie, Baukunst, Anthropologie, Pharmakologie, Mineralogie und Metallurgie geht. Seine Quellen bestehen aus 146 römischen und 327 meist griechischen Autoren. Da der wissbegierige Autor aber auch selbst gerne reiste, sind auch eigene Erfahrungen in seine "Naturgeschichte" eingeflossen.

 


Das beschriebene gallische Mistelschneideritual befindet sich im 16. Buch (Mehr über Bäume, vor allem über immergrüne Gewächse), im letzten (95.) Kapitel und umfasst die Absätze 249 bis 251.

 

Plinius d. Ältere beschreibt das Ritual recht anschaulich. Ob er jemals persönlich dabei war oder die Sache nur vom Hörensagen kennt oder sie von einem der griechischen Autoren, die er in seinem Werk angibt, abgeschrieben hat, werden wir heute nicht mehr nachvollziehen können. Die Mistel ist nicht nur ein besonderes Kraut für die Kelten. Auch Römer hatten ein einschlägiges Mistelschneideritual, das ebenfalls Plinius in seiner Naturgeschichte beschreibt (und faszinierenderweise durfte auch dort kein Eisenwerkzeug zum Schneiden verwendet werden). Ganz zu schweigen von der Bedeutung der Mistel bei anderen Völkern. Das himmlische Gewächs dürfte also bei vielen Ethnien eine besondere Stellung gehabt haben, wenn auch nicht immer die gleiche. Das erste, das an dem Text auffällt, ist die Farbe weiß: Die Druiden sind weiß gekleidet, das Tuch, in dem die Misteln aufgefangen werden, ist weiß, die Opferstiere sind weiß. Und die Beeren der Misteln sind natürlich auch weiß! 

 

Würde Plinius selbst nicht darauf hinweisen: „....Sie meinen wahrhaftig, dass alles, was auf jenen Bäumen wächst, vom Himmel gesandt und ein Kennzeichen des von der Gottheit selbst erwählten Baumes sei...“, wäre auch mit einigen Vergleichen und logischen Schlussfolgerungen klar, dass bei diesem Ritus die himmlische Sphäre, der Wohnort der Gottheiten, einen besonderen Platz hat. Die Mistel hat keinen Kontakt zur Erde, sie wurzelt im hl. Baum (Eiche), dem Baum des Himmelsvaters und Donnergottes (Iuppiter und Zeus in der klassischen Welt, Donar bei den Germanen, im Gallischen wahrscheinlich Taranis). Wir haben es also mit einem Ritual zu Ehren des Himmelsgottes und seiner Symbole zu tun. Weiß als himmlische Farbe ist mehr als ein Indiz. Nicht nur im Gallischen bedeutet ALBIOS sowohl Himmel als auch „weiß“, auch im vedischen Ritus, ebenso wie in den klassischen Opferriten gehören weiße Opfertiere den Himmlischen und schwarze den dunklen, unterirdischen Mächten.

 

Die Mistel wird hier als „Allheiler“ beschrieben. In rekonstruiertem Gallisch könnte sie z.B. *OLLO-IACCOS geheißen haben. Plinius selbst gibt den gallischen Terminus für die Mistel leider nicht an. Um welche Mistelart es sich genau handelt, ist nicht ganz klar. Unsere Viscum Album, die übliche Mistel in unseren Breiten, wächst meist auf Bäumen, die keine Eichen sind. In südlicheren Gefilden wiederum gibt es die Eichenmistel, eine Mistelart, die auf Eichen wächst. Die hat aber keine weißen Beeren. Und sie kommt auch nicht selten vor. Plinius allerdings schreibt: „....Eine solche Mistel wird jedoch einigermaßen selten entdeckt und wird, wenn gefunden, mit großer Ehrfurcht aufgesucht,....“ In einem keltologischen Vortrag über das Plinius’sche Mistelritual von Andreas Hofeneder erfuhr ich, dass sich der Vortragende bei Botanikern erkundigt hätte, und dass es sehr wohl Viscum Album auf Eichen gäbe. Allerdings äußerst selten! Plinius könnte also durchaus Viscum Album gemeint haben. Und ��" ehrlich gesagt ��" man wird wohl keine zwei weißen, makellosen Stiere opfern für eine stinknormale Mistel, die auf einer Nicht-Eiche zu Dutzenden auf Schritt und Tritt vorkommt.

 

Schauen wir uns kurz an, welche Bedeutung und Eigenschaft die Mistel für die alten Kelten gehabt hat: „Nichts ist den Druiden heiliger als die Mistel....Sie bezeichnen die Mistel in ihrer Sprache als „Allheiler“..... Dann schlachten sie alsbald die Opfertiere und beten, der Gott möge seine Gabe denen zum Segen gereichen lassen, denen er sie verliehen habe. Sie glauben, dass durch einen Trunk davon jedem unfruchtbaren Lebewesen Fruchtbarkeit verliehen werde und dass es ein Heilmittel gegen alle Gifte sei.“

 

Laut Plinius ist die Mistel ein Allheilmittel, von den Göttern gesandt, segensbringend für jene, für die die Mistel bestimmt ist, fruchtbarkeitsfördernd für Unfruchtbare (Menschen und Tiere), ein Heilmittel gegen alle Gifte. Dass dabei hauptsächlich religiös-magische Vorstellungen eine Rolle spielen ist klar, denn aus medizinischer Sicht ist die Mistel sicher kein Allheilmittel (wenn sie auch gegen Krebs helfen soll). Dass sie fruchtbarkeitsfördernd ist, könnte vielleicht mit der Himmelsgottsymbolik (Himmelsgott begattet mit Regen die Erdmutter) einerseits und mit den weißen Beeren (Symbol für Sperma??) zusammenhängen. Vielleicht ist dies auch einer der Gründe, warum man sich im Irisch/britischen Raum unter der Mistel küssen soll, wenn man heiraten will. 

 

Eine weitere wichtige Pflanze, die Plinius nennt, ist die Eiche. Laut ihm war sie der wichtigste Baum der Gallier, was, weitergedacht, auch auf die Wichtigkeit des Himmelsgottes hinweisen könnte. Er weißt auf Eichenhaine hin und auf die Wichtigkeit des Eichenlaubs bei jedem Ritual. Wie genau das Eichenlaub beim Ritus zum Einsatz kam, sagt er uns aber nicht. Ich selbst habe es für meine Rituale als Weihwedel vorgesehen. Bekränzungen, wie z.B. im griechischen Ritus wären aber genauso möglich. Oder als Schmuck, Räucherung, Bekränzung für die Opfertiere, etc. Inwieweit die Eiche hier auch die Funktion eines Weltenbaumes, einer Weltenachse hat, sei dahingestellt. Ich selbst habe die Weltenbaumsymbolik jedenfalls im Ritual eingebaut.

 

Eine weitere wichtige Sache in Plinius’ Ritualbeschreibung ist die Verwendung einer goldenen Sichel oder Hippe. Praktisch gesehen ist so etwas eher unmöglich (es wurde auch noch keine goldene Sichel archäologisch ergraben!), da reines Gold zu weich ist für ein Schneidewerkzeug. Es dürfte sich eher um eine Bronzesichel oder ��"hippe gehandelt haben. Zum einen hätten wir hier die Sonnensymbolik und die keltische Vorliebe für alles, was wie Gold glänzt (oder Gold ist), zum anderen wahrscheinlich auch ein rituelles Eisentabu für diese Art Riten. In römischen Opferriten darf z.B. ebenfalls kein Eisen verwendet werden, da dieses als unreines (da kriegerisches) Metall gilt. Auch in inselkeltischer Folklore kann man die Sídhe (zumeist übelwollende Feen) mit Eisen vertreiben. Fazit: Die Mistel ist himmlisch und äußerst heilig, und damit sie nicht beschmutzt oder entweiht wird, darf sie mit nichts Unhimmlischem (Boden) oder Unreinem (Eisen) in Berührung kommen. Die Druiden sind weiß gekleidet (und wahrscheinlich auch kultisch rein), um das hl. Kraut nicht zu beflecken. 

 

Das letzte, worauf Plinius hinweist, ist der Zeitpunkt des Rituals: der sechste Tag nach Neumond (ca. der zunehmende Halbmond), an dem laut Plinius der Mond schon reichlich Kraft aber seinen Höhepunkt noch nicht überschritten hat. Hier kommt die Mondmagie zum Tragen, die Kraft der Mistel soll gerade ��" analog zum Mond ��" am Wachsen und stärker werdend sein. Diese Stärke auch an die Leute weitergeben. Dumm ist nur, dass Plinius nicht schreibt, an welchem Halbmond nun die Mistel geschnitten wird. Die Dinger wachsen ja das ganze Jahre über auf ihren Bäumen! Theoretisch also kann dieser Ritus zu jeder Jahreszeit stattgefunden haben, und jede Jahreszeit, jedes Fest hätte genug Gründe für das Schneiden der Mistel. Le Roux und Guyonvarc’h plädieren in ihrem Buch „Die Druiden“ sogar dafür, dass das Mistelschneideritual im Zuge von Samhain/Samonios oder zur Königsweihe vollzogen wurde (sie begründen das mit den zwei weißen Stieren, die Königssymbole seien). Auch der Frühling wäre prädestiniert (Fruchtbarkeit) oder Beltaine (Heilung) oder eben Samhain. Ich selbst habe für meine moderne Interpretation des Rituals den 6. Tag nach Neumond zwischen Samain und Weihnachten gewählt. Die Mistel hat zu dieser Zeit bereits ihre weißen Beeren, und die Bäume sind kahl genug, sodass man die heiligen Schmarotzerpflanzen leicht findet. Auch passt es gut in die neuzeitliche (von den britischen Inseln auf uns gekommene) Tradition, vor oder zu Weihnachten Misteln aufzuhängen.



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meine Kupfersichel



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Bronzesicheln aus dem hallstattzeitlichen Gräberfeld in Frög/Kärnten



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Eine moderne Gardenateleskopstange hilft bei der Ernte. Einfach die Sichel daran befestigen und fertig!



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Opferstiere aus Marzipan



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Geerntete Misteln

Mistelschneideritual (K)

 

Prozession zum Nemeton

 

Während man zum hl. Platz schreitet, könnte man sich seelisch schon aufs Ritual einstimmen z.B. mit folgendem Gesang:

 

Große Freude soll uns leiten

wenn zum NEMETON wir schreiten,

die hehren Gottheiten zu ehren,

Glück und Segen uns zu mehren.

 

 

Herrichten des Nemeton

 

Es gibt zwei Focusse: den Altar, wo der Großteil des Rituals abläuft, und der Baum (oder die Bäume), wo wir die Misteln runterholen. Der ganze Aufbau findet um den Altar statt, der aus einem Stein, Holz, Tuch, besteht, irgendwas halt, wo man die Utensilien verteilen kann.

 

Altartuch in der Mitte mit den heiligen Gegenständen und den (Marzipan)Opferstieren.

 

Räucherwerk und/oder Feuerschale vor dem Altar.

 

Picknicktuch links neben dem Altar, wo Essen und Trinken und Met drauf ist, Flaschenöffner, Feuerzeug, Ritualtexte, Instrumente, alte Misteln zum Verbrennen und Brandbeschleuniger (Kerzen, Wachs).

 

 

 

Signal für Beginn

 

LATION  OLLO-IACCIAS  SINDIU!

 

 

Umschreiten des Nemeton

 

Mit dem Salz-Körnergemisch im Uhrzeigersinn den Platz umschreiten und in den 4 Richtungen sowie am Altar ein paar Körner für die Ortsgeister ausstreuen:

 

NEMETONA soll uns leiten,

wenn wir das NEMETON umschreiten,

die vier Grenzen zu umhegen,

diesem Ort und uns zum Segen.

SOSIN NEMETON SACRON ESTI!

(dieses Heiligtum ist geweiht!)

 

Opfer für Ogmios

 

 

Opfer von Whisky:

 „Vater OGMIOS

Dunkler Herrscher der Türen, Wege, Tore;

Seelenführer, Wegführer,

Öffne die Toren zur Anderen Welt.

Leite uns durch diese heilige Zeremonie.

Ogmios, öffne die Tore!“

 

Ogam werfen für Erlaubnis

 

Man zieht drei Ogamhölzchen (oder ein anderes Orakel). Ist es gut, kann das Ritual beginnen. Ist es schlecht, sollte man den Gottheiten (v.a. Ogmios) und den Genii Loci noch Opfergaben (nach Gefühl) darbringen. Die Prozedur wiederholt sich so lange, bis die drei Ogams gut sind. Geopfert kann alles werden, was man dabei hat (für gewöhnlich Alkoholika, Gerstenkörner o.ä.). 

 

 

Sammlung, die Mitte finden

 

Alle konzentrieren sich auf die Mitte. (u.U. Baummeditation):

 

Bei Talamu, der Erde, auf der wir stehn,

beim Meer um uns und den unterirdischen Seen,

beim hohen Himmel, unendlich weit,

sind wir fürs heilige Fest bereit.

 

Kultische Reinheit herstellen

 

Man segnet das hl. Wasser (das einige Tropfen Kräuteressenz und 9 Haselnüsse beinhaltet):

SOSIN DUBRON SACRON ESTI!

(dieses Wasser sei heilig!)

 

Dann nimmt man den Weihwedel und besprenkelt alle Ritualgegenstände mit Wasser, des Weiteren jede/n Teilnehmenden von oben nach unten und die Hände und dann  das weiße Band zum Zeichen der kultischen Reinheit anlegen. Während der Prozedur betet jemand:

 

Wir baden unsere Körper,

unsere Gedanken und unsere Seelen

in den heiligen Wassern

der ursprünglichen Quellen

der BORVOBOUENDOA,

der weißen Kuhgöttin

in der Mitte der Welt.

 

Süße in unseren Mund,

Weisheit in unsere Sprache,

die Liebe der Göttinnen und Götter

in unsere Herzen.

 

CARTA BRITAN, CARTA KIKKAN, CARTA ANATION-

reinige den Geist, reinige den Körper, reinige die Seele.

 

Entzünden des Feuers

 

Man entzündet das Feuer und die Räucherkohle.

 

Im Namen der Göttin von Feuer und Wasser und Dampf,

BORVOBOUENDOA

weihe ich dieses Feuer

in der Mitte der Welt:

SOSIN AIDUS SACRUS ESTI!

(Dieses Feuer sei heilig!)

 

Dann segnen sich alle mit Feuer und Rauch. (jmd. kann mit der Räucherschale rumgehen).

 

Flamme nährt Flamme,

mögen wir mit einem guten Feuer beten!

 

Böses bannen

 

Man nimmt das Schwert und stellt sich vor, dass alle unerwünschten Geister und Energien verschwinden, und neugierige Passant/innen fern bleiben. Mit dem Blick zum „Eingang des Nemeton“ (jener Bereich, der am ungeschütztesten ist), die Geister symbolisch mit dem Schwert vertreiben.

Laut:

 

Exu namantoi!

(Hinweg mit den Feinden!)

LATOBIOS vertreibe alles Böse und Unreine aus diesem NEMETON.

 

Alle lärmen. Schwert zum Eingang in die Erde stecken.

 

Segnung des Mets

 

Man öffnet den Met und gießt ihn ins Horn. Das Horn weihen:

 

Frieden im Himmel - Himmel auf Erden

Erde unter Himmel - Kraft uns allen.

Ein Becher ganz voll - voll von Honig

und Met im Überfluss - Sommer im Winter

Frieden im Himmel.

und weiter:

Ich weihe dieses Horn im Namen der MEDUNA,

zu Ehren der Gottheiten und zum Segen für uns.

 

Heil Dir, BORWOBOENDOA, Anfang und Ende,

Urmutter, mächtige weiße Kuh,

Herrin der Mitte, Hüterin des Herdfeuers,

die alles zum Kochen bringt und zum Leben erweckt,

Dir gebührt der erste Schluck Met!

 

Umtrunk und Hymnen

 

 

Die erste Runde ist eine freie Runde an die Ahn/innen.

Die zweite Runde ist eine freie Runde an die individuellen Gottheiten.

Die dritte Runde geht an die Gottheiten des Rituals. Während das Horn die Runden macht, wird gebetet:

 

Heil BILIOS.

Mächtiger Weltenbaum,

Du vereinigst in Dir:

des Himmels Macht,

des Mondes Weiß,

des Feuers Herrlichkeit,

des Blitzes Schnelligkeit,

des Windes Wildheit,

des Ozeans Tiefe,

der Erde Festigkeit,

des Felsens Unbeweglichkeit.

Wir bitten Dich durch unser Opfer,

gewähre uns als ein Geschenk

einen Teil von Dir und Deiner Macht,

auf dass Heil und Glück mit Deinen Misteln uns gewährt sei!

Ehre sei Dir, BILIOS!

Nimm an unser Opfer

 

Heil TARWOS TRIGARANUS,

der Du im Weltenbaume wohnst.

Mächtiger Stier, Herr von Himmel und Erde,

Kräftiger, mutiger Stampfer,

Herr der Fruchtbarkeit und des Mutes.

Königlicher, Gehörnter! Wir ehren Dich.

Heilige drei Kraniche.

Weiße, unendliche Herrinnen des langen Lebens,

Königinnen der Baumkrone,

Meisterinnen des Himmels,

Erleuchterinnen,

die ihr Tod und Wiedergeburt in Euch vereinigt.

Wir ehren Euch.

Nehmt an unser Opfer!

 

Heil ESUS,

Herr des Weltenbaumes,

Erster der Opferer, erstes Opfer,

Grüner Mann, König der Misteln,

Fürst des Waldes und aller Bäume.

Mächtiger, seiend in allen Pflanzen.

Wir ehren Dich!

ESUS, nimm an unser Opfer.

 

Heil MATERES DERVONNIAS,

Mütter der Eichen,

Herrinnen des mächtigen Weltenbaumes,

Hüterinnen von Wurzel, Stamm und Krone.

Wir ehren Euch!

MATERES DERVONNIAS, nehmt an unser Opfer.

 

Heil TARANIS,

göttlicher Vater,

Donnerer,

hochthronend in der Weite des Himmels,

gewähre uns mit der heiligen Mistel

Deinen Segen!

Wir ehren Dich,

TARANIS, nimm an unser Opfer.

 

Heil ALBIORIKA,

Königin des Himmels,

Meisterin der Klarheit,

Herrin der Mistel und Mistel selbst.

Mit großer Ehrfurcht schneiden wir Dich vom Weltenbaum,

holen wir Dich vom Himmel,

auf dass Du uns Glück und Segen bringst, ein Jahr und ein Tag!

Wir ehren Dich.

ALBIORIKA, weiße Königin,

Nimm an unser Opfer.

 

Trinksprüche beim Weitergeben des Horns:

 

Trink Heil!

-        worauf der/die Entgegennehmende antwortet:

Sei Heil!

 

IBETIS  UKIU - ANDEKARE  BI-IETE

 (trinkt davon, seid lieb)

 

IBE

(trink)

 

 

Schmücken des Opfers

 

Die 2 weißen Stiere werden mit Blumen oder Kränzen geschmückt.

 

Wir bereiten die weißen Stiere als Opfer

für BILIOS, den Weltenbaum

und für die unsterblichen Gottheiten.

Wir bereiten das Opfer,

damit die Mistel, die wir vom Himmel holen, uns Segen bringt.

 

 

Misteln schneiden

 

Drei nehmen den Whisky, die Sichel und das weiße Leintuch und gehen zu den Mistelbäumen, um die Misteln zu schneiden (genug für alle). Bevor die Misteln geschnitten werden, einige Tropfen Whisky als Gabe für den Baum ausgießen. Man muss aufpassen, dass die Misteln nicht den Boden berühren sondern alle ins Tuch fallen. Sollte doch eine den Boden berühren, muss ein extra Schluck Whisky als Opfer gebracht werden.

Die anderen warten derweil beim Ritualplatz und hüten das Feuer und die Ritualgegenstände.

Wenn die Mistelerntenden zurückkommen, werden sie mit Jubelrufen begrüßt.

 

Das Opfer und das Segensgebet

 

Man streut etwas Salz-Gerste und ein paar Tropfen Met über die „Stiere“. Danach nimmt man das Opfermesser, streicht mit der Klinge über die „Stiere“ und fragt die Versammelten:

 

„Soll ich opfern?“

 

Alle antworten (hoffentlich ;-))

„Tu es!“

 

Man stößt das Messer in die Stierdarstellungen, indem sie/er kurz den Namen ESUS anruft. Dann im Namen TEUTATES in die Wasserschüssel tauchen, dann ein Stück ins Feuer werfen im Namen TARANIS.

 

„Wir haben geopfert für die hochheiligen Gottheiten,

um unseren Bund zu besiegeln!“

ISSOK  KANTI  RISSU  -  ISON  SON BISSI-ET

(Dies wird nach uns sein und vor uns)

LUGE  DESSUMI-IS, LUGE  DESSUMI-IS, LUGE DESSUMI-IS - LUXE

(Durch den Eid tun wir dies)

 

Über die Stiere und die Misteln sprechen:

Heil, Ihr Göttinnen und Götter,

Wir bitten Euch, gewähret uns

mit dieser heiligen Gabe,

mit der Allheilenden Mistel,

Euren Segen.

In tiefer Dankbarkeit

nehmen wir Euer Geschenk des Himmels an.

 

 

Kraftgesang

 

Misteln mit Weihwasser, Öl, Rauch, Feuer weihen.

 

Kraft des Feuers,

Kraft des Blitzes,

Kraft des Sieges in der Schlacht.

Kraft des Pferdes,

Kraft des Wildschweins,

Der Krieger Kraft.

Kraft des Sturmes,

Kraft des Mondes,

Der Sonne Kraft

Kraft der Quellen,

Kraft der Flüsse,

des harten Felsens Kraft.

Weisheit der Schlange,

Weisheit des Raben,

Des kühnen Adlers Weisheit.

Stimme des Schwanes,

Stimme wie Honig,

einer Göttin sternklare Stimme.

Güte des Meeres,

Güte des Landes,

Des Himmels Güte.

Jeder Tag sei uns fröhlich,

Und keiner traurig,

unser Leben heil und reich.

Allmächtige Liebe,

Langes Leben,

und eine sanfte Reise in die Anderswelt.

 

 

Kultmahl und Umtrunk

 

Alle bekommen ein Stück Marzipanstier, das mit Inbrunst gegessen werden soll.

 

DEPRETIS UKIU - ANDEKARE BI-IETE

(esst davon, seid lieb)

 

Das Methorn geht wieder Reihum, wer will, kann Trinksprüche sagen.

Wer mag, kann Wunschbänder oä. an die Bäume hängen.

Die letzte Runde ist eine Dankesrunde. Wenn alle was gesagt haben:

 

Frieden im Himmel - Himmel auf Erden

Erde unter Himmel - Kraft uns allen.

Ein Becher ganz voll - voll von Honig

und Met im Überfluss - Sommer im Winter

Frieden im Himmel.

 

Heil Dir, BORWOBOENDOA, Anfang und Ende,

Urmutter, mächtige weiße Kuh,

Herrin der Mitte, Hüterin des Herdfeuers,

die alles zum Kochen bringt und zum Leben erweckt,

Dir gebührt der letzte Schluck Met!

 

 

ISSOK  KANTI  RISSU  -  ISON  SON BISSI-ET

(Dies wird nach uns sein und vor uns)

LUGE  DESSUMI-IS, LUGE  DESSUMI-IS, LUGE DESSUMI-IS - LUXE

(Durch den Eid tun wir dies)

RINKI TUSO GNASIODA

(Segen und Wohlstand für uns alle)

SUBUTA OLLOBO

(Gruß Euch allen)

 

Signal für Ende

 

 

- FINIT -

 


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Kultplatz auf der Donauinsel